Sparkassen Zeitung

Land und Märkte

Mit der staatlichen Pension allein lässt sich der Lebensstandard nicht halten“

Stephan Scoppetta

Gernot Heschl, CEO der VBV-Pensionskasse über betriebliche Vorsorge als wichtiges Tool der Mitarbeiterbindung, durchschnittliche Jahreserträge von sechs Prozent und die besonderen Möglichkeiten der Erste-Bank- und Sparkassen-MitarbeiterInnen.

Sparkassenzeitung: Herr Heschl, Sie sind seit 2016 Vorstand der VBV-Gruppe und CEO der VBV-Pensionskasse. Wie schlägt sich die VBV trotz einem in den vergangenen Jahren sehr schwierigen Umfeld?

Gernot Heschl: Das Jahr 2016 war aufgrund der sehr volatilen Märkte herausfordernd, aber für uns insgesamt erfolgreich: Im vergangenen Geschäftsjahr stieg das von uns in der Pensionskasse verwaltete Vermögen auf 6,35 Milliarden Euro. Die Zahl der Kundinnen und Kunden wuchs auf rund 300.000. Diesen April wurde einer unserer wichtigsten Aktien-Spezialfonds für sein erfolgreiches nachhaltiges Investmentkonzept mit dem Österreichischen Umweltzeichen ausgezeichnet und seit Juni sind wir zudem die erste heimische Pensionskasse, die auch einen CO2-Fußabdruck ausweist. Für uns ist Nachhaltigkeit nicht nur ein Schlagwort, sondern gelebte Realität. Wir wollen uns aber auf diesen Erfolgen nicht ausruhen, sondern arbeiten bereits daran, noch effizienter, schlagkräftiger und nachhaltiger zu werden.

 Wozu braucht es eine betriebliche Vorsorge, reicht die staatliche Pension nicht aus?

Heschl: Das heimische Pensionssystem ruht auf drei Säulen. Der staatlichen, der betrieblichen und der privaten Vorsorge. Die Österreicherinnen und Österreicher verlassen sich aber wohl zu sehr auf die staatliche Vorsorge, die aufgrund der demographischen Entwicklung immer mehr unter Druck gerät. Schon heute befindet sich rund ein Fünftel aller Einwohnerinnen und Einwohner von Österreich im Pensionsalter, um 2030 wird es rund ein Drittel sein. Ab 2050 wird nur noch die Hälfte der heimischen Bevölkerung aktiv erwerbstätig sein. Die Pensionslücke, also die Differenz zwischen dem letzten Aktivbezug und der tatsächlich ausbezahlten Rente, wird somit wohl immer größer werden. Wer heute nicht betrieblich und/oder privat vorsorgt, muss im Alter mit entsprechenden Einschnitten rechnen. Die staatliche Pension wird zunehmend zu einer Basisvorsorge, mit der sich aber der gewohnte Lebensstandard im Alter nicht mehr halten lässt. Ich denke daher, dass die betriebliche Altersvorsorge in Österreich in den nächsten Jahren stark an Bedeutung gewinnen wird.

Wo liegen hier die Vorteile einer Pensionskasse?

Heschl: Pensionskassen sind ein wichtiger Bestandteil der sozialen Sicherheit in Österreich. Unsere Kundinnen und Kunden, die beitragsleistenden Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, kommen aus allen Bereichen und Branchen der Wirtschaft und des öffentlichen Sektors. Vom Handwerksbetrieb oder der Arztpraxis mit oft nur wenigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bis hin zu den namhaftesten Großunternehmen und Institutionen reicht das Spektrum unserer Kundinnen und Kunden. Die betriebliche Vorsorge zählt zu den Sozialleistungen des Arbeitgebers, die wie ein gutes Betriebsklima oder flexible Arbeitszeiten für eine hohe Mitarbeiterbindung sorgten. Das zieht die besten Köpfe für Fachbereiche und Führungspositionen an und man hält sie so auch im Unternehmen. Pensionskassen-Lösungen werden als ergänzendes Einkommen in Zukunft immer wichtiger. Wir sind uns dieser Verantwortung bewusst und werden auch in Zukunft am Ausbau der betrieblichen Altersvorsorge in Österreich arbeiten.

Aber lohnt sich eine Pensionskasse wirklich?

Heschl: Mit einem durchschnittlichen Ertrag von rund sechs Prozent pro Jahr in den letzten fünf Jahren über alle Veranlagungs- und Risikogemeinschaften gerechnet ist es uns gelungen, in einer extremen Niedrigzinsphase respektable Erträge für unsere Kundinnen und Kunden zu erwirtschaften. Eine Kundenbefragung Ende 2016 hat uns erfreulicherweise gezeigt, dass diese guten Ergebnisse auch honoriert werden.

Nutzen die MitarbeiterInnen die Möglichkeiten der betrieblichen Vorsorge?

Heschl: Eigentlich noch viel zu wenig. Noch immer ist die Vorsorge über den Arbeitgeber in Österreich ein Privileg, das nur rund 25 Prozent der Beschäftigten genießen können. Berechtigte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollten sich dessen stärker bewusst werden und auch selbst Verantwortung für ihre Pensionsvorsorge übernehmen, indem sie zum Beispiel Eigenbeiträge in die Pensionskasse einzahlen.

Markus Posch, Head of Group HR der Erste Group Bank AG und AR-Vorsitzender der
VBV-PK (ganz links) und Gernot Heschl, 
CEO der VBV-Pensionskasse (ganz rechts)
besuchen am VBV-Infotag 
am Erste Campus das engagierte Beratungsteam.

Wie können Erste-Bank- und Sparkassen-MitarbeiterInnen Eigenbeiträge leisten?

Heschl: Monatliche Eigenbeiträge können in der Regel über die Gehaltsverrechnung abgewickelt werden. Der Beitrag wird vom Gehalt einbehalten und gemeinsam mit den Beiträgen der Erste Bank und Sparkassen an die VBV überwiesen. Dazu muss nur das Formular „Einbehalt von Dienstnehmer-Pensionskassenbeiträgen“ aus dem Vorlagen-Service ausgefüllt und unterschrieben an den persönlichen Personalbetreuer geschickt werden. Der Rest erledigt sich von selbst. 

Die VBV will auch in den nächsten Jahren weiter wachsen. Wo setzen Sie hier Schwerpunkte?

Heschl: Der Dreh- und Angelpunkt für unternehmerischen Erfolg ist immer die Zufriedenheit der Kundinnen und Kunden. Wir haben bereits sehr viele zufriedene Kundinnen und Kunden, aber in diesem Bereich kann man nie gut genug sein.  Zudem planen wir eine Optimierung und den weiteren Ausbau unseres Web-Auftritts. Auch wollen wir über die sogenannten Öffnungsklauseln in den Kollektivverträgen zu einer weiteren Verbreitung von Firmenpensionen in der Öffentlichkeit beitragen. Schon heute wird etwa in der IT-Branche die Möglichkeit, Gehaltsbestandteile in einen Pensionskassenbeitrag umzulenken, intensiv genutzt. Nun wollen wir weiteren Branchen eine betriebliche Altersvorsorge über ihren Kollektivvertrag ermöglichen. Wir arbeiten auch daran, unsere Kooperation mit unseren Partnern – wie zum Beispiel Erste Group, Erste Bank und Sparkassen – im Vertrieb zu intensivieren.

Und unter dem Motto „Follow your customer“ gehen wir zu unseren Kunden und informieren vor Ort. So hatten wir vor Kurzem einen Infostand am Erste Campus, der von zahlreichen unserer Berechtigten sehr gut angenommen wurde. Mit diesen Aktivitäten schaffen wir auch eine sinnvolle Ergänzung im Angebot unserer Partner. So können Kundinnen und Kunden, Bankpartner, Berechtigte und VBV gleichermaßen profitieren, und wir schaffen eine Win-Win-Situation.

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