Sparkassen Zeitung

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Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser!

Unternehmen wie Google, Apple, Amazon oder Facebook haben sich zu den wertvollsten Firmen der Welt entwickelt und sie haben eines gemeinsam: Sie sind hochtechnisierte Datengiganten. Sie sind der Inbegriff von „Big Data“, da sie über eine Unmenge von personenbezogenen Daten verfügen. Daten jeglicher Art sind im Rahmen der Digitalisierung zu einem der wertvollsten Güter der Welt geworden. Als neues Gold oder Öl bezeichnet, treiben sie die Wirtschaft weltweit voran und erzeugen etwa in der EU bereits den größten BIP-Effekt. Was in den nächsten Jahren hier noch auf uns zukommt, wo die größten Herausforderungen liegen und was wir bei der Bekanntgabe unserer persönlichen Daten bedenken sollten, diesem Themenkreis haben wir die Herbstausgabe unserer Sparkassenzeitung gewidmet.

Die Menschheit hat derzeit ein Datenmanagement historischen Ausmaßes zu bewältigen. Zudem stehen wir erst am Anfang der Entwicklung. 2016 wurden global 16 Zettabyte Daten (Zahl mit 21 Nullen) generiert. Laut neuester US-Studie werden es 2025 zehnmal so viele sein. Klar auf Wachstumskurs befindet sich daher auch das österreichische Bundesrechenzentrum (BRZ), das wir zu den neuesten Entwicklungen und Prognosen befragt haben. Die BRZ-ExpertInnen sehen die Herausforderung neben der explodierenden Datenmenge vor allem im „Identity Management“. Als Grundlage für Datensicherheit muss klar geregelt sein, wer wirklich hinter dem Gerät sitzt und Abfragen tätigt und wofür sie genau verwendet werden. Dass dies nicht immer rechtens passiert, ist spätestens seit dem Skandal von Cambridge Analytica offensichtlich, bei dem 87 Millionen Nutzerdaten von Facebook abgesaugt und im US-Wahlkampf und bei der Brexit-Entscheidung zielgenau eingesetzt wurden.

Über den sorglosen Umgang mit privaten Daten und die exhibitionistische Ader vieler Menschen haben wir den Philosophen und Kulturpublizisten Konrad Paul Liessman interviewt. Sein Rat: Freiheit nicht mit Bequemlichkeit verwechseln. Mit einem Wischen oder Antippen kann man heute kommunizieren oder einkaufen. Zeitgleich wächst aber auch die Möglichkeit der Kontrolle, denn jede Aktivität im Netz hinterlässt beobachtbare Spuren. Wie wir uns vor Missbrauch schützen können? Marc Elsberg, Bestsellerautor der Science-Thriller „Blackout“ und „Zero“, in denen sich der Wiener mit Themen wie dem Zusammenbruch der europaweiten Stromversorgung und Big Data befasst, empfiehlt, sich stets exakt vorab zu informieren, wem man seine Daten anvertraut, und Politiker zu wählen, die strengen Datenschutz durchsetzen.

Franz Portisch,
Generalsekretär des Österreichischen Sparkassenverbandes

Auch auf Unternehmensseite gilt es der Datenflut Herr oder Frau zu werden, wobei den Banken berechtigterweise am meisten Vertrauen etwa gegenüber Fintechs geschenkt wird. 77 Prozent der ÖsterreicherInnen denken, dass ihre Daten bei Online-Banking sicher sind, nur 9 Prozent vertrauen diesbezüglich Amazon. In Europa und insbesondere in Österreich unterliegen die Banken sehr strengen Regelungen, was mit den Bankdaten gemacht werden darf und wie und wo diese aufzubewahren sind. Wie die Sparkassengruppe ihre Kundendaten hütet und warum sie diese auch niemals weiterverkaufen würde, lesen Sie im Interview mit den Vorständen Peter Bosek und Thomas Schaufler.

Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Achtsamkeit beim Datentransfer und viel Vergnügen beim Informationstransfer, sprich: Lesen des Sparkassen-Magazins!

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Was zählt, sind die Menschen