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Economy

Zwischen digitaler Welt und Selbstfindung

Helene Tuma

Die heutigen Jugendlichen sind mit Internet, Handys und Social Media aufgewachsen und finden sich in einer Welt wieder, in der nichts privat zu sein scheint. Was unterscheidet diese Jugendlichen von vorangegangenen Generationen, wie sieht ihr Weltbild und wie ihr Leben aus? 

1. SOCIAL MEDIA

Jugendliche leben heute öffentlicher als noch vor ein paar Jahren. Sie sind ständig über WhatsApp erreichbar und posten ihr Leben auf Social Media. Laut dem Jugend-Internet-Monitor 2018 nutzen 85 Prozent der Jugendlichen WhatsApp, 81 Prozent YouTube, 63 Prozent Instagram, 59 Prozent Snapchat und 52 Prozent Facebook. Gepostet wird alles vom Urlaubsschnappschuss bis zum ersten Kuss. Dabei gewinnt YouTube immer mehr an Bedeutung. Egal ob Filmchen über Spielzüge bei Computer Games, Schminktipps oder lustige Tiervideos, konsumiert wird alles, und YouTuber sind die Stars, denen Jugendliche nacheifern.

2. SPRACHE

Mit zunehmender Digitalisierung und Globalisierung hat sich auch die Sprache der Jugendlichen verändert. Viele Wörter sind Anglizismen, so heißt es heute zum Beispiel nicht mehr „essen“, sondern „fooden“. Auch Begriffe aus Games oder Akronyme wie LOL (Laughing Out Loud) fließen in den normalen Sprachgebrauch ein.

3. ERSTER SEX

Das „erste Mal“ erleben Österreichs Burschen und Mädchen im Alter von 16,3 Jahren. Heimische Jugendliche sind damit im EU-Vergleich hinter Deutschland (16,2 Jahre) auf Platz zwei. Mit 15 Jahren hatten 19,1 Prozent der Mädchen und 22,1 Prozent der Burschen bereits Sex. Das geht aus dem Report „Sexualerziehung in der Europäischen Region“ der WHO hervor. Im Laufe ihres Lebens haben junge Erwachsene heute im Schnitt nur noch acht Sexualpartner. Bei der Generation der Baby-Boomer (bis 1964 Geborene) waren es noch elf.

4. MEDIENKONSUM

Der Medienkonsum von Jugendlichen findet heute hauptsächlich digital statt. Tageszeitungen haben ebenso ausgedient wie lineares Fernsehen, also das Konsumieren von Sendungen zum Zeitpunkt der Ausstrahlung. Informationen, Nachrichten und Filme werden aus dem Netz oder von On-Demand-Diensten geholt und dann konsumiert, wenn man Lust darauf hat. In der Altersgruppe der 14-bis-29-Jährigen liegt das Verhältnis von linearem Fernsehen zu On-Demand-Diensten bei 46 zu 54 Prozent, so eine aktuelle Studie von ARD/ZDF.

5. BILDUNGSWEG

Bei der Ausbildung erholt sich die Lehre nur sehr langsam von ihrem schlechten Image. So standen im Studienjahr 2017/18 insgesamt 278.052 ordentliche Studierende an öffentlichen Universitäten 106.613 Lehrlingen gegenüber. Der Besuch einer AHS oder einer Berufsbildenden Höheren Schule wird der Lehraus- bildung aus Angst vor sozialem Abstieg oder schlechteren Berufschancen vorgezogen.

6. ERNÄHRUNG

Dass sich Jugendliche vorwiegend von Fastfood ernähren, trifft heute nicht mehr zu, denn sie sind oft bereits im Kindergarten an das Thema gesunde Ernährung herangeführt worden. Das gilt vor allen Dingen für Mädchen. Sie achten vermehrt auf die Verwendung von Bio-Produkten und ernähren sich, wenn auch nur tageweise, vegetarisch. Das Essverhalten ist Ausdruck des Lebensstils und wird zur gesellschaftlichen Positionierung genutzt. Zunehmender Bewegungsmangel führt allerdings unter „Schlechternährern“ leichter zu Fettleibigkeit.

7. MODE

Die Zeiten von Punks, Popper, Grunge und Emos sind vorbei. Die Jugendkulturen der 80er und 90er Jahre haben längst ausgedient. Heute sind die modischen Unterschiede bei den Jugendlichen weniger stark ausgeprägt. Anstatt Statements mit seinem Äußeren zu setzen, schwimmt man eher mit der Masse und ist bedacht, nicht aufzufallen.

8. STATUSSYMBOLE

Auch die Statussymbole haben sich verändert. Autos und teure Uhren wurden von Handys, Spielkonsolen und Markenartikeln wie Sportschuhen, Taschen und Rucksäcken abgelöst. Auch der All-Inclu- sive-Urlaub hat als Statussymbol ausgedient. Österreichs Jugendliche machen am liebsten im eigenen Land Urlaub, auf den nächsten Plätzen folgen Italien und Kroatien.

9. WORK-LIFE-BALANCE / FREIZEITORIENTIERUNG

Die Zeiten, in denen alles dem beruf- lichen Fortkommen untergeordnet wurde, scheinen vorbei zu sein. Junge Leute haben eine starke Freizeitorientierung und legen Wert auf geregelte Arbeitszeiten. Sie möchten ausreichend Zeit für Erholung, Treffen mit Familie und Freunden sowie Partnerschaft haben. Vor allem das Wochenende soll frei von Gedanken an die Arbeit sein.

10. ERSTE WOHNUNG

Junge Leute werden heute nicht unbedingt zur Eigenständigkeit erzogen. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass Kinder im Durchschnitt mit 21,4 Jahren das „Hotel Mama“ verlassen. Meist geschieht es erst, wenn sie eine feste Beziehung eingehen. Etwa ein Drittel der jungen Menschen zieht wegen der Liebe von zu Hause aus. Ginge es nach den Eltern, könnten sie gerne bis zum vollendeten 25. Lebensjahr bleiben.

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Was zählt, sind die Menschen