Sparkassen Zeitung

Economy

Die Kunst des Scheiterns

Sandra Wobrazek

ERFOLGE SIND NICHT DENKBAR OHNE NIEDERLAGEN. BESTSELLERAUTORIN UND MENTAL-COACH ANTJE HEIMSOETH UND BENEDIKTINERMÖNCH UND GEISTIGER BEGLEITER ANSELM GRÜN ÜBER DEN UMGANG MIT GEWINNEN UND VERLIEREN, MIT ERFOLGSDRUCK UND HÖHENFLÜGEN.

Sie arbeitet mit SpitzensportlerInnen, darunter viele OlympiateilnehmerInnen, hält Vorträge für große Konzerne, berät Führungskräfte und UnternehmerInnen und hat zahlreiche Bücher zum Thema verfasst – Antje Heimsoeth ist Expertin in Sachen Erfolg und mentale Stärke. Sie weiß, welche Faktoren wichtig sind, um Erfolg lang- fristig halten zu können: „Der deutsche Fußballer Philipp Lahm hat zum Beispiel bei der Fußball-Welt- meisterschaft 2014 in Rio immer wieder in seinem Kopf den WM-Pokal als Sieger in den Himmel gereckt, um sich zu motivieren und Energie freizusetzen. Man muss ins Tun kommen, Fleiß aufbringen, Klarheit über die Ziele gewinnen, präsent sein und wissen, was man will. Ebenso essenziell: Fokus, Fokus, Fokus. Heutzutage verlieren sich zu viele Menschen in Nebenschauplätzen wie den so- zialen Netzwerken und werden dadurch mit der Arbeit nicht fertig.“ Um erfolgreich zu sein brauche es, so die Gründerin und Geschäftsführerin des Instituts für Business- und Sport-Coaching, Heimsoeth Academy, Selbstvertrauen, Selbstdisziplin und die Fähigkeit zur Selbstreflexion. Aber auch das Umfeldmanagement spiele eine entscheidende Rolle – denn kein erfolgreicher Mensch sei alleine erfolgreich geworden: „Es geht auch nicht ohne Lebensfreude und Spaß, großes Fachwissen, Überzeugung in der Sache und soziale Kompetenzen. Liebe, was du tust.“


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"... wenn wir bereit sind aus Niederlagen zu lernen, dann strahlt das auf den Erfolg ab."

Antje Heimsoeth,
Mental-Coach
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SICH NICHT ÜBER ERFOLG DEFINIEREN

Ein Gebot, dem auch Pater Anselm Grün tagtäglich folgt. Der deutsche Benediktinermönch hält regelmäßig Vorträge und Seminare, ist spiritueller Berater und geistlicher Begleiter von ManagerInnen und hat bereits mehr als 300 Druckwerke mit einer Gesamtauflage von rund 14 Millionen Stück verfasst. Erfolg bedeutet dem Geistlichen jedoch nichts, da man nicht von ihm leben könne, wie er sagt: „Wenngleich es mich freut und ich stolz bin, dass viele Menschen meine Bücher lesen und sich dadurch berühren lassen und auch, dass ich sie in Vorträgen berühre.“ Pater Anselm, der in der deutschen Abtei Münsterschwarzach lebt, betont, dass es schädlich sei sich und sein Leben nur über Erfolg zu definieren. Die Folgen seien Frustration und Enttäuschung, wenn man nicht so erfolgreich ist wie andere Menschen. Seiner Meinung nach ist die viel wichtigere Frage, ob man authentisch ist. „Man darf Leistung allerdings auch nicht verpönen. Dass der Mensch etwas leistet, es aus ihm herausfließt und fruchtbar wird, das gehört zum Menschen dazu.“

ÜBER DEN UMGANG MIT ERFOLGSDRUCK

Der Vergleich mit anderen ist ein klassisches Merkmal der modernen Leistungsgesellschaft, in der Erfolg und Wohlstand zu wichtigen Merkmalen gehören. Gute Noten, erfolgreiche Karriere, hohes Einkommen, glückliche Beziehung, große Wohnung – der Erfolgsdruck betrifft schon Schulkinder und er begleitet uns das ganze Leben lang. Benediktinermönch Anselm Grün sagt, dass man diesen Druck als sportliche Herausforderung annehmen könne, ihn aber nicht eins zu eins übernehmen dürfe, „denn dann werde ich ausgepresst. Wenn Firmen nur noch von Kennzahlen leben, tut das nicht gut. Viel wichtiger als dieser äußere Erfolg ist es, dass man beim Menschen ansetzt und Lust weckt, dass das Leben fließt und er kreativ ist.“


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"Nur wenn ich dankbar für den Erfolg bin, kann ich auch Niederlagen gelassen annehmen."

Anselm Grün,
Pater
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AM BODEN BLEIBEN

Nicht selten verlieren jene, die plötzlich viel Erfolg haben, den Boden unter den Füßen und vergessen, was im Leben wirklich zählt. Die Mönche, betont Anselm Grün, sprächen in dieser Hinsicht von Demut, die im Lateinischen Humilitas heißt, von „humus“, die Erde. Demut bedeute demnach das Spüren, dass man Mensch ist, und zum Menschen würden auch Niederlagen gehören: „Das ist wie im Sport: Nur der kann gewinnen, der auch verlieren kann. Denn, dass wir verlieren können, führt uns zu Gelassenheit. Nur wenn ich dankbar für Erfolg bin, kann ich auch Niederlagen gelassen annehmen. Es ist auch sehr wichtig, dass man sich nicht nur über den Erfolg definiert – sonst setzt man sich permanent selbst unter Druck. Wer Werte achtet, der ist auf Dauer erfolgreicher als der, der nur auf Erfolg fixiert ist. Erfolg kommt, wenn ich dem Leben in mir traue. Das ist wie mit dem Glück: Wer um jeden Preis glücklich sein möchte, wird unglücklich.“

NIEDERLAGEN ALS LEHRMEISTER

Fest steht dabei immer auch: Niemand hat durchgehend Erfolg, Niederlagen gehören ebenso dazu. Wie man mit ihnen umgeht, kann über den weiteren Umgang mit Erfolg entscheiden. Für Antje Heimsoeth sind sie, gemeinsam mit Fehlern, sogar der Dünger für Erfolg. Die Voraussetzung: dass man bereit ist, aus ihnen zu lernen. Dafür verfolgt Mental-Coach Heimsoeth das so genannte Triple-A-Prinzip: „Akzeptieren, dass man eine Niederlage erfahren hat, ohne Schuldige zu suchen. Analysieren, was zum Scheitern geführt hat und wo und wie man besser wird. Drittes A: Abhaken der Niederlage, denn wenn ich immer wieder an diese denke, hole ich sie in die Gegenwart und mache sie eventuell zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung.“ Antje Heimsoeth ruft dazu auf, zum Gestalter seines Erfolgs zu werden und nicht ständig zurückzuschauen. Ihr Motto: „Wenn wir beim Autofahren immer in den Rückspiegel schauen würden, würden wir ständig Unfälle bauen. Und letztendlich heißt es: Aufstehen, Krone richten, weitergehen.“

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Was zählt, sind die Menschen