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Mörderischer Erfolg

Herta Scheidinger

DER TIROLER BESTSELLERAUTOR BERNHARD AICHNER IM INTERVIEW ÜBER ERFOLG, SEIN NEUES BUCH „BÖSLAND“ UND SEINE NÄHE ZUM TOD.

Herr Aichner, Sie haben mit der Totenfrau-Trilogie Ihren internationalen Durchbruch geschafft. Wie hoch waren die Erwartungen vor dem Erscheinen von „Bösland“? Und wie geht man als Autor mit dem Druck um? 
Bernhard Aichner: Druck verspüre ich glücklicherweise nicht, das wäre auch extrem kontraproduktiv. Druck ist ein echter Kreativitätskiller. Ich schreibe leidenschaftlich gerne, erzähle meine Geschichten mit meiner Sprache, ich gebe alles, gehe völlig unbeschwert an ein neues Projekt heran. Deshalb war ich auch überzeugt davon, dass auch „Bösland“ sein Publikum finden wird. Die Bestsellerlisten haben diese Theorie bestätigt.

Wie groß war die Versuchung noch ein weiteres Totenfrau-Buch zu schreiben und damit auf Nummer sicher zu gehen?
Aichner: Die Totenfrau-Trilogie hat es in richtig viele Wohnzimmer und Bücherregale quer durch Europa geschafft, allein im deutschsprachigen Raum wurden 400.000 Bücher verkauft. Dass wir so viele Leserinnen und Leser mit der Geschichte von Brünhilde Blum begeistern konnten, ist wundervoll. Mein Traum, vom Schreiben leben zu können, hat sich durch Blum erfüllt, dieser mordende Racheengel hat mir alle Wünsche erfüllt. Aber es war auch wichtig „Adieu“ zu sagen, etwas Neues zu beginnen. Ich möchte mich und meine Leser schließlich nicht langweilen. Der Neubeginn nach Blum bedeutete für mich Wehmut und Freude zugleich: Ich musste mich nach vier intensiven Jahren von meiner wunderbaren Heldin verabschieden, das war schon hart. Aber da war auch diese Freude daran, etwas Neues zu entwickeln, eine neue Erzählform zu finden, ein anderes Tempo, neue abgründige Figuren. Ich habe die Herausforderung, etwas neues Großes zu schaffen, mit Lust und Freude angenommen. „Bösland“ ist ein klassischer „Aichner“, aber auch völlig anders. Vertraut sind der Sound und der Sog. Neu sind die Figuren, die Konstruktion, die Erzählform, das Setting.
 
Sie führen mit „Bösland“ wieder die Bestsellerlisten an. Wie viel bedeutet Ihnen der Erfolg?
Aichner: Erfolg ist wunderbar. Ich arbeite seit zwanzig Jahren konsequent darauf hin, dass mein Schreiben Früchte trägt. Es ist beglückend zu sehen, dass sich Fleiß und Hartnäckigkeit auszahlen. Wenn dann noch Leidenschaft und Liebe für den Beruf mitspielen und man ein bisschen Glück hat, dann stellt sich der Erfolg von selber ein.

Hat der Erfolg Ihr Leben verändert?
Aichner: Ich bleibe am Boden. Liebe meine Familie. Und schreibe. Alles ist wie immer.
 
Woher nehmen Sie die Inspiration für Ihre Figuren?
Aichner: Ich bin ständig auf der Suche – bewusst und unbewusst. Als Fotograf habe ich gelernt, genau hinzusehen. Ausgehend von einer harmlosen Szenerie, die ich beobachte, entspinnt sich in meinem Kopf innerhalb von Minuten eine verrückte Geschichte, die mit der Wirklichkeit plötzlich nichts mehr zu tun hat. Oft sind es Geschichten, die mir Freunde erzählen, die ich in der Zeitung lese oder anderswo aufschnappe. Meine Fantasie macht den Rest. Alles dreht sich ums Schreiben, immer.
 
Ist es nicht sehr düster, ständig an blutrünstige Morde zu denken?
Aichner: Der Tod ist mir in meinem Leben in vielen – angsteinflößenden, verstörenden und grauslichen – Facetten begegnet. Freiwillig und unfreiwillig. Als Ministrant am Friedhof, als Fotolaborant beim Entwickeln grausamer Bilder für den Blutfotografen der Boulevardzeitung, bei der schrecklichen Lawinenkatastrophe im österreichischen Galtür, als junger Vater, als ich in Thailand den Jahrhundert-Tsunami überlebt habe und gerade noch mit dem Leben davonkam. Das alles ging nicht spurlos an mir vorbei. Irgendwann habe ich für mich entschieden, dass mir eine tiefergehende Auseinandersetzung den Schrecken nehmen soll. Deshalb habe ich auch begonnen, bei einem Bestattungsunternehmen mitzuarbeiten. In diesem Sinn bin ich ihm auch auf die Schippe gesprungen, wenn man so will. Um näher hinzusehen.

Wie lange dauert es von der Idee bis zum fertigen Buch?
Aichner: Es dauert ein Jahr von der ersten Idee bis zum fertigen Buch. Zuerst überlege ich zwei Monate, plane und denke das Ganze durch. Dann schreibe ich sieben Monate. Und beginne dann zu überarbeiten. Vier- bis fünfmal. Was sind Ihre Pläne für 2019? Ist ein neues Buch geplant? Aichner: Im Herbst 2019 erscheint wieder ein Thriller. Die Story ist spektakulär, die Heldin eine Wucht. Ich liebe dieses Buch jetzt schon. Genauso wie ich meinen Beruf liebe. Es gibt neben der Liebe nichts Schöneres für mich. Deshalb bin ich dankbar und verneige mich vor meinen Leserinnen und Lesern.
 
,,Es ist beglückend zu sehen, dass sich Fleiß und Hartnäckigkeit auszahlen. Wenn dann noch Leidenschaft und Liebe für den Beruf mitspielen und man ein bisschen Glück hat, dann stellt sich der Erfolg  von selber ein."

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