Sparkassen Zeitung

Werte

Der Sparkassentag 2019 "The future is yours"

Ausgabe #1/2019 • 200-Jahr-Jubiläum
Sebastian Wegener

DER HEURIGE SPARKASSENTAG AM ERSTE CAMPUS STAND GANZ IM ZEICHEN DES 200-JAHR-JUBILÄUMS. IN DEN VORTRÄGEN UND ROUNDTABLE-DISKUSSIONEN WAR DER BLICK JEDOCH STARK IN DIE ZUKUNFT GERICHTET, GANZ NACH DEM MOTTO „THE FUTURE IS YOURS“.

Mit nationalen und internationalen Gästen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft wurden beim Österreichischen Sparkassentag am 28./29. Jänner Themen angesprochen, die die Menschen in den kommenden Jahren bewegen werden. Brennende Fragen, wie der digitale Wandel oder eine sich radikal verändernde Arbeitswelt, standen im Mittelpunkt: Finanzinstitute und insbesondere die Sparkassengruppe müssen auch heute wieder die richtigen Antworten auf die Herausforderungen der Zukunft finden. In diese Kerbe schlug auch Wirtschaftskammerpräsident Harald Mahrer bei seiner Gratulationsadresse: „Das Sparbuch war damals, 1819, eine geniale Idee. Eine unvergleichliche Idee in einer durchaus schwierigen Zeit unmittelbar nach den Napoleonischen Kriegen. Da haben sich ein paar Menschen aufgemacht, anderen Menschen die Möglichkeit zu geben, ein kleines bisschen Geld anzusparen oder sich etwas in geordneten Strukturen zu borgen, um sich aus der Armut hinauszubewegen und so sich selbst zu ermächtigen.“

 


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"Was Digitalisierung betrifft stehen wie erst am Anfang der Entwicklung. Die Balance wird am Ende des Tages den Erfolg im Banking ausmachen"

Harald Mahrer,
Wirtschaftskammerpräsident
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ZUKUNFT DES BANKINGS

Mahrer spannte auch gleich den Bogen in die Zukunft: „Die Frage, die man sich stellen muss, ist: Was bedeutet Banking heutzutage? Ich glaube, diese Frage ist noch nicht beantwortet. Bill Gates sagte vor 15 Jahren: ‚In the future, banking will still be needed, banks maybe not.‘ Was Digitalisierung betrifft, stehen wir erst am Anfang der Entwicklung. Die Balance wird am Ende des Tages den Erfolg im Banking ausmachen. Die Gründungsidee der Sparkasse war genial. Vielleicht ist es jetzt wieder an der Zeit, zu teilen und auf Pfründe zu verzichten. Ich weiß, es ist eine Zeit des großen Nachdenkens. Und ich weiß auch, in der Wirtschaft ist man dann erfolgreich, wenn man nicht zu lange nachdenkt, und auch glasklar entscheidet.“

 


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"Man muss täglich hinterfragen, wo man steht. Wenn wir das mit voller Kraft betreiben, bin ich überzeugt, dass wir gut aufgestellt sind."

Stefan Dörfler,
Vorstandsvorsitzender Erste Bank
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Die Erste Bank und Sparkassen investieren aus diesem Grund weiter in die Zukunft. Heuer auf der Vertriebsseite etwa 40 Millionen in neue vertriebsunterstützende digitale Lösungen, davon zirka ein Drittel im Kommerzbereich, zwei Drittel im Retailbereich. „Unglaublich wichtig ist, dass wir unsere enorm starke Position im österreichischen Bankengeschäft, diese Position der starken Marke, auch immer wieder hinterfragen“, forderte Stefan Dörfler, Vorstandsvorsitzender Erste Bank: „Ich habe in vielen Gesprächen, auch mit Kolleginnen und Kollegen aus den Sparkassen, folgende Wahrnehmung gewonnen: Das erste Risiko ist die traditionelle Konkurrenz – die sollte man nie unterschätzen. Man muss schauen, was die anderen Player machen, die viele gute Ideen haben. Die zweite Ebene ist die neue Konkurrenz. Die Mitbewerber, die uns an bestimmten Stellen in der Wertschöpfungskette – im Zahlungsverkehr, im Wertpapiergeschäft – potenziell das Wasser abgraben könnten.“ Hier müsse man gegensteuern. Seine Überzeugung sei, bekannte Dörfler, dass die größte Gefahr und das größte Risiko man selbst darstelle. „Diese Einstellung ‚Wir sind so gut, dass uns eh nix passieren kann‘ halte ich für das Gefährlichste, was in einem Unternehmen passieren kann. Man muss täglich hinterfragen, wo man steht. Wenn wir das mit voller Kraft betreiben, bin ich davon überzeugt, dass wir gut aufgestellt sind.

“Dass Österreich in Sachen Zukunftstechnologien besser aufgestellt ist, als viele meinen, betonte Finanzminister Hartwig Löger: „Ich erlaube mir, auch das Globale in diese Geburtstagsfeier zu holen. Wir müssen uns bewusst machen, dass wir beim Thema Globalisierung stärker mit dabei sind, als wir uns das als Österreicher selbst zugestehen. Beim Thema Globalisierung sind wir in manchen Bereichen sogar Vorreiter, wenn es darum geht, die Weichen für die Zukunft zu stellen. Österreichs Bankenszene hat eine gute Basis, speziell in der Diversifikation, und das gerade deswegen, weil auch in Zukunft die Menschen in der Region sein werden.“

 


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"Beim Thema Globalisierung sind wir in manchen Bereichen Vorreiter, wenn es darum geht, die Weichen für die Zukunft zu stellen"

Hartwig Löger,
Finanzminister
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In seinem Einleitungsreferat zur Roundtable-Diskussion kam Michael Esterl, Generalsekretär im Ministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort, zum Schluss: „Das Thema Digitalisierung wird uns massiv fordern. Die Digitalisierung kommt. Sie ist kein Hype. Sie wird entscheidend für die Zukunft unseres Landes sein. Die Digitalisierung wird aber nicht der Staat alleine schaffen. Die Herausforderung können wir nur gemeinsam schaffen, mit der Wirtschaft, mit der Gesellschaft, mit der Politik. Die Weichen, die wir heute stellen, bestimmen, auf welchen Gleisen wir morgen, übermorgen und in der Zukunft unterwegs sind.“

VERMITTLUNG VON FINANZWISSEN IST WICHTIG

Zentrales Thema der Ausführungen des Ökonomen Lukas Menkhoff, der am DIW (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung) die Abteilung für Weltwirtschaft leitet, war die Wichtigkeit der finanziellen Bildung. „In der akademischen Forschung ist dies ein relativ neues Thema. Erst vor zirka 15 Jahren gab es erste Forschungen zum Bereich finanzielle Bildung. Wir haben heute eine ganze Reihe von interessanten Ergebnissen: Es ist so, dass Menschen, die über höhere finanzielle Bildung verfügen, besser Anlagen streuen, dass sie einen höheren Aktienanteil haben, dass sie seltener überschuldet sind und, dass sie am Ende häufig sogar über ein höheres Vermögen verfügen. Zusammengefasst lässt sich sagen, der Grad finanzieller Bildung ist erschreckend niedrig, auch in Ländern mit hohem Einkommen.“ Trainings würden laut Menkhoff signifikant und robust das Finanzverhalten verbessern. Die Größe dieses Effektes sei jedoch noch nicht so hoch, dass man damit zufrieden sein könnte. Aber die Heterogenität der Effekte gebe Anlass zur Hoffnung, dass man eine höhere Wirksamkeit erzielen könne.

KUNDENBETREUUNG DER ZUKUNFT

Dass man zukünftig nicht im Produktdenken verhaftet sein darf, sondern den KundInnen möglichst viele Kontaktpunkte anbieten muss, darüber waren sich die Experten einig: Die Lösungen müssten dem Leben der Menschen nahegebracht werden. Laut Gerhard Fabisch, Präsident des Österreichischen Sparkassenverbandes, werden sich mit den neuen Technologien die Beziehungen zu den Kund Innen anders gestalten, was für alle Sparkassen eine große Umstellung bedeuten wird. Erste Bank und Sparkassen haben eine große Verantwortung bei diesem Thema, weil sie der Treiber dieser Technologie-Entwicklung sind. „Die Sparkassen haben die Verantwortung, die praktische Erfahrung mit einzubringen, was die Kunden zu welchem Zeitpunkt akzeptieren. Und aus dieser Verbindung können gute Lösungen entstehen“, so Fabisch. „Wir müssen den Kunden digital lesen können und rechtzeitig reagieren. Wenn wir das gut machen, dann wird der Kunde das Gefühl haben, dass er bei uns gut aufgehoben ist, dass wir ihn verstehen.“ Eine Meinung, der sich auch Boris Marte, Stv. Vorstandsvorsitzender Erste Stiftung, anschloss: „Wir müssen auch die Grundlagen unseres eigenen Geschäftsmodells hinterfragen. Können wir in Zukunft eine Infrastruktur aufrechterhalten, und gelingt es uns, jeden Kunden persönlich zu beraten? Wir wissen, dass uns das nicht gelingen kann, wenn jeder Kundenbetreuer 3.000 Kunden zu betreuen hat. Hier steckt in der Digitalisierung eine große Chance.“

MITTELPUNKT

Doch was macht die Digitalisierung mit der Gesundheit der MitarbeiterInnen? Eine Frage, mit der sich Eva Höltl beschäftigt, die Leiterin des Gesundheitszentrums der Erste Bank: „Sehen Menschen einen Sinn in ihrer Tätigkeit, haben sie Entscheidungs-Freiräume, dann machen sie ihren Job gerne und gut. Wir müssen uns aber fragen, was es dazu braucht.“ Stefan Dörfler ist der Überzeugung, dass das in einem Umfeld wie am Campus leichter gelingen kann als in einer dezentralen Struktur: „Das zeigen auch die Zahlen: Wir haben um drei bis vier Tage weniger Krankenstände als der Durchschnitt des Sektors. Das ist ein enormer wirtschaftlicher Vorteil. Die Gesundheit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist bei der Qualität der Betreuung und der Qualität des Arbeitsplatzes ein nicht zu unterschätzender Faktor.“ Für Arbeitgeber werde in Zukunft immer wichtiger werden, wie wohl sich die MitarbeiterInnen fühlen. Dazu Dörfler: „Die Positionierung, wofür wir als Arbeitgeber stehen, wird sich massiv auch darauf abstellen, ob sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei uns aufgehoben fühlen. Die Gesundheitsversorgung ist hier ein Aspekt, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist ein weiterer. Hier wird in der Sparkassengruppe, auch im ländlichen Bereich, viel gemacht.“

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Was zählt, sind die Menschen