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Economy

"Wir sind für die Zukunft des Bezahlens gerüstet"

Stephan Scoppetta

THOMAS SCHAUFLER, VORSTAND DER ERSTE BANK ÖSTERREICH, ÜBER APPLE PAY, DIE MOBILE-STRATEGIE DER ERSTE BANK UND DATENSICHERHEIT FÜR DIE KUNDINNEN UND KUNDEN.

In den letzten Monaten hat man das Gefühl, dass sich die Erste Bank besonders im Payment-Bereich extrem engagiert. Erst vor einem Monat haben Sie die neue Debitkarte präsentiert. Jetzt kommen Sie mit Apple Pay. Was ist der Grund für Ihr großes Engagement in diesem Bereich?

Thomas Schaufler: Seit 2001 reden wir vom mobilen Bezahlen, und wir haben schon vor Jahren begonnen, unsere Infrastruktur im Payment auf die Kundinnen und Kunden auszurichten, um das Bezahlen noch einfacher zu machen. Wir haben sehr früh begonnen, unsere Strategie auch Richtung Mobile zu entwickeln, um für die Zukunft gerüstet zu sein. Wir schauen uns weltweit den Markt genau an, checken, wo die Bedürfnisse unserer Kundinnen und Kunden liegen, und darauf setzen wir auf. Wir bieten nichts an, nur weil es cool ist, sondern es muss den Menschen wirklich etwas bringen. Apple Pay ist momentan die höchste Evolutionsstufe des Bezahlens. Es macht einfach Spaß, weil bezahlen plötzlich so einfach und bequem ist wie nie zuvor.

Jetzt haben Sie als erste österreichische Bank Apple Pay eingeführt. Warum diese Kooperation mit dem US-Techriesen?

Schaufler: Apple Pay stellt alles in den Schatten und ist wirklich der Gamechanger im Bereich mobiles Zahlen, und ich bin davon überzeugt, dass dieses System die Welt des Bezahlens nachhaltig verändern wird.

Sie kommen ja fast ins Schwärmen. Was macht Apple Pay so revolutionär?

Schaufler: Apple ist unglaublich einfach in der Bedienung. Zwei bis drei Klicks und man ist angemeldet oder hat auch gleich bezahlt. Hier ist Apple unglaublich nutzerorientiert. Auf der anderen Seite gibt es bereits die gesamte Infrastruktur und fast alle Bankomatkassen sind NFC-fähig. Bei Apple kommt aber noch eine unglaubliche Marketingkraft hinzu. Neuerungen bei Apple haben eine hohe Mobilisierungskraft. Allein mit der Ankündigung von Apple Pay haben sich die Anmelderaten beim Bezahldienst von Android mehr als verdoppelt, und das in nur einem Monat. Hier sieht man, welchen Schub die Marke Apple verleiht.

Warum haben Sie nicht, wie andere Banken in Europa, ein eigenes Modell entwickelt?

Schaufler: Wir haben diese Option natürlich auch geprüft. Aber eigene Entwicklungen haben aus unserer Sicht wenig Sinn. Da braucht es internationale Lösungen mit offenen Standards ohne Einschränkungen. Und bei Apple Pay gibt’s eine sehr große Nachfrage – mehr als 40 Prozent unserer George-Nutzerinnen und -Nutzer haben ein iPhone, und da war es naheliegend die Apple-Lösung anzubieten.

Umgekehrt heißt das aber, dass 60 Prozent Ihrer Nutzerinnen und Nutzer ein Android-Handy haben. Für diese gibt es keine Lösung?

Schaufler: Die digitalisierte Kreditkarte für Android-Smartphones bieten wir seit eineinhalb Jahren an. Die Bankomatkarte folgt bald – also bieten wir für alle, die mit dem Smartphone bezahlen möchten, auch eine Lösung an.

Wird kontaktloses Bezahlen von den Kundinnen und Kunden genutzt?

Schaufler: Es kommt wirklich sehr gut an, und das zeigen vor allem auch die Zahlen. Im Schnitt macht ein Kunde oder eine Kundin bei uns 71 Zahlungen an der Bankomatkassa pro Jahr, davon sind bereits 50 kontaktlos. Das zeigt, dass die Menschen das Thema annehmen. Gerade im Zahlungsverkehr ist das nicht selbstverständlich, denn das Kundenverhalten ändert sich hier nach unserer Erfahrung nur sehr langsam.

Apple Pay ist ein wichtiger Schritt. Welche weiteren Schritte werden Sie beim Bezahlen setzen?

Schaufler: Natürlich haben wir schon Pläne, aber davor gilt es, die Hausaufgaben zu machen. Es geht ja darum, nicht nur einfache Zahlungsabwicklungen anzu bieten, sondern auch eigene Bankservices daran zu knüpfen. Zum Beispiel sollte man Zahlungen splitten können und diese vielleicht mit einem Konsumkredit verknüpfbar machen. Hier sind wir gerade dabei neue Möglichkeiten auszutesten, und wir werden hier schon bald zusätzliche Services für unsere Kundinnen und Kunden anbieten können. Ideen gibt es bereits viele, aber nicht alles lässt sich von heute auf morgen umsetzen.

Glauben Sie, dass Bargeld in Österreich durch die vielen neuen elektronischen Bezahlmethoden bald Geschichte sein wird?

Schaufler: Der 500-Euro-Schein wurde zwar vor Kurzem endgültig abgeschafft, er wird derzeit nicht mehr produziert – die Scheine, die im Umlauf sind, behalten natürlich ihre Gültigkeit –, aber ich gehe davon aus, dass Bargeld in Österreich auch weiterhin eine große Rolle spielen wird. Die Österreicherinnen und Österreicher wollen Bargeld, weil es noch immer eine sehr effektive, anonyme und einfache Art des Bezahlens ist. Die Sparkassengruppe wird definitiv weiterhin viele verschiedene Bezahlmöglichkeiten anbieten. Der Kunde oder die Kundin soll selbst wählen können, wie er oder sie am Ende bezahlen möchte.

Würden Sie sagen, dass wir in Österreich bei innovativen Bezahlmethoden zur Spitzenklasse in Europa zählen?

Schaufler: Für das Land Österreich kann ich nicht sprechen, nur für die Sparkassengruppe. Mit George, mit Apple Pay, mit der George-App-Nutzung und eigenen Kreditkarten gehören wir zur europäischen Spitze. Aber wir haben noch Luft nach oben. Sicher ist aber, dass wir unsere heimischen Mitbewerber schon vor Jahren weit hinter uns gelassen haben.

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