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Economy

Wein & Kunst als Wertanlage

Sandra Wobrazek

ALTERNATIVE INVESTMENTS GEWINNEN ZUNEHMEND AN BEDEUTUNG. WIESO ES SICH LOHNEN KANN, AUF WEINE AUS BORDEAUX, DEUTSCHE OLDTIMER UND ITALIENISCHE AVANTGARDE ZU SETZEN.

Exakt 1.492.600 Euro waren es, mit denen sich ein Telefonbieter vergangenen Dezember bei einer Auktion im Wiener Dorotheum den Zuschlag sicherte. Das Objekt der Begierde: ein Mercedes-Benz SL 300 „Flügeltürer“, Baujahr 1955. Doch auch die anderen Exponate der Sammlung Wiesenthal, die an diesem Tag versteigert wurden, sorgten ob ihrer Verkaufserlöse für Schlagzeilen, wechselten die 13 Mercedes-Benz-Oldtimer doch für insgesamt fünf Millionen Euro die BesitzerInnen.

BEGEHRTE OLDTIMER AUS DEN 50ER JAHREN

Für Alexander Steiner, Geschäftsführer von Steiner & Partner Classic Cars, ein wenig überraschendes Ergebnis, handelt er doch mit Oldtimern und weiß, dass Autos zu dermaßen hohen Summen meist auch als Investments gekauft werden. So verbinden die meisten seiner KundInnen, wie er sagt, dabei ihre Leidenschaft für alte Autos mit dem Wunsch Gewinn zu machen. Denn es sind nicht immer nur klassische Aktien oder Gold, mit denen man sein Geld vermehren kann – alternative Anlageformen gewinnen zunehmend an Bedeutung. Wichtig dabei ist, dass man sich auch bei diesen Investmentformen ExpertInnen anvertraut: „Wer sich einen Oldtimer kauft, sieht sich vorher bewusst an, wie sich das Investment in den letzten fünf bis sieben Jahren entwickelt hat und versucht zu prognostizieren, wie die weitere Wertentwicklung sein wird. Das ist ähnlich einer Aktie.“ In den letzten Jahren besonders im Wert gestiegen: Cabrio- und Coupé-Modelle von Mercedes-Benz, Porsche, Jaguar, BMW und italienischen Nobelmarken wie Ferrari, Lamborghini und Maserati. Besonders teuer gehandelt werden auch Sportwagen aus den 50er- und 60er- Jahren. Wobei gerade bei Oldtimern gilt: Sie in der Garage einzusperren, steigert den Wert nicht – im Gegenteil, die Fahrzeuge sollen und müssen bewegt werden, um sie fahrtauglich zu halten.

Wie groß die jährlichen Renditen sind, hängt laut Alexander Steiner von Baujahr, Zustand und Modell ab. So entwickle sich Mercedes-Benz aktuell sehr gut, während bei Porsche die Preise nach Zuwächsen von 15 Prozent jährlich in den letzten zwei Jahren um rund sieben Prozent gefallen seien: „Jährlich kann man meist mit Wertsteigerungen von dreieinhalb bis sieben Prozent rechnen. Es hängt aber immer davon ab, wieviel Stück produziert wurden, vom Fahrzeug selber und wie groß die Nachfrage nach dem Modell ist.“ Ein sinnvolles Oldtimer-Investment beginnt laut dem Experten bei 15.000 Euro, etwa für englische Modelle wie MG oder Triumph, und geht über eine Mercedes-Limousine für rund 35.000 Euro bis hin zu den Luxus-Autos wie dem Flügeltürer aus der Dorotheum-Auktion.

ALTE MEISTER UND MODERNE BESTSELLER

Im Dorotheum, mit mehr als 700 Auktionen im Jahr und mehr als 100 ExpertInnen das größte Auktionshaus im deutschsprachigen Raum, weiß man um die Bedeutung alternativer Investments, erwerben doch zahlreiche Kund- Innen die im Dorotheum versteigerten Güter, um sie gewinnbringend weiterzuverkaufen – unter ihnen sind klassische ebenso wie Lifestyle-SammlerInnen oder große Unternehmen. Dabei besonders beliebt: Kunst. Constanze Werner, Leiterin des Client Advisory Service: „Der Wert eines Kunstwerks wird von vielen Faktoren bestimmt: der Qualität und dem Zustand sowie, ob es eine Signatur trägt oder nicht. Das Sujet ist ebenso von Bedeutung wie die Seltenheit. Dazu kommen Angebot und Nachfrage.“

Auch im Kunstgeschäft kann man dabei auf Sicherheit oder Risiko setzen. So lässt sich laut Constanze Werner attestieren, dass alte Meister sehr guter Qualität langsam und langfristig im Wert steigen, da es hier keine Geschmacksschwankungen mehr gibt. „Sie stehen wie ein Fels in der Brandung. Je näher man hingegen zu zeitgenössischer Kunst kommt, desto risikoreicher wird der Kunstkauf, da es Schwankungen gibt, die dem Zeitgeist unterliegen.“ Aktuell besondere Wertsteigerungen verzeichnen die Arbeiten der Zero-Gruppe um Hans Mack und Otto Piene oder die Mailänder Avantgarde um den Spatialisten Lucio Fontana.

EINE KISTE WEIN FÜR 50.000 EURO

Auch mit edlen Tropfen lassen sich, bei der richtigen Anlage, deutliche Gewinne erzielen. Besonders begehrt sind Rotweine aus Bordeaux. Robin Khanna ist Gründer und Vorstandsvorsitzender von Bordeaux Traders, einem Unternehmen mit Hauptsitz in Wien, das sich auf die Wertanlage in hochkarätige Luxusweine aus der bekannten französischen Weinregion spezialisiert hat. Die InvestorInnen bekommen die Weine selber allerdings so gut wie nie zu Gesicht, werden die edlen Tropfen doch in Lagern in London oder Österreich unter speziellen klimatischen Bedingungen aufbewahrt, um im passenden Moment weiterverkauft zu werden. Wer auf Weine setzt, betont Robin Khanna, kann es als mittel- bis langfristiges Investment sehen: „Es ist eine Sachanlage, die man durchaus mit Investment in Gold, Immobilien und Kunst vergleichen kann. In der Regel steigen die Preise auch. Das liegt daran, dass das Angebot begrenzt und es teilweise sehr schwer ist, an diese Weine heranzukommen. Lose Flaschen aus Bordeaux sind leichter zu bekommen als originale Sechser- oder Zwölfer-Holzkisten.“

Die kosten in der günstigsten Variante rund 3.000 Euro – und erreichen Preise von bis zu 50.000 Euro. „Wir empfehlen“, sagt Khanna, „ein minimales Investment von 25.000 Euro, wobei die Kunden in der Regel 50.000 bis 100.000 Euro investieren. Das Interesse der österreichischen Anleger in diese Anlageform ist sehr groß und Kundinnen und Kunden, die von Anfang an dabei sind, schichten immer mehr Vermögen in diesen Markt.“ Bei einer jährlichen Rendite von fünf bis zehn Prozent, nach Kosten und Steuern, ist das Risiko laut dem Experten überschaubar und besteht einzig darin, dass die Nachfrage nicht mehr so groß sein könnte. Doch letztendlich steigt der Wert der Weine in den meisten Fällen ganz von allein: Nehmen mit jeder geöffneten Flasche die Preise der verbliebenen Bouteillen doch zu.

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