Sparkassen Zeitung

Werte

Der richtige Umgang mit Taschengeld

Ausgabe #2/2019 • Die Zukunft des Zahlens
Helene Tuma

UM DEN RICHTIGEN UMGANG MIT GELD SO FRÜH WIE MÖGLICH ZU ERLERNEN, IST ES WICHTIG, DASS KINDER TASCHENGELD BEKOMMEN UND SELBSTÄNDIG VERWALTEN.

Ab einem Alter von zirka sechs Jahren, also mit Beginn der Schulpflicht, sollten Kinder regelmäßig Taschengeld bekommen. Viele Eltern möchten dem Wunsch ihrer Kinder nach eigenem Geld zwar entsprechen, sind jedoch unsicher, was die Höhe des Betrages betrifft, denn Kinder sollen durch das Taschengeld auch lernen, den Wert des Geldes einzuschätzen. Nina von Gayl, Kuratorin des Erste Financial Life Parks (FLiP) klärt auf: „Die Höhe des Taschengeldes ist vor allem vom Einkommen der Eltern abhängig. Gibt es in der Familie nur ein sehr geringes Einkommen, würde ich nicht empfehlen, den höchsten Taschengeldsatz zu zahlen. Es müssen die Lebensrealitäten der Familie in irgendeiner Weise widergespiegelt werden. Unsere Empfehlung dazu ist: 30 bis 50 Cent multipliziert mit den Lebensjahren. Das ergibt für Sechsjährige 1,80 bis 3 Euro in der Woche.“

OFFEN ÜBER GELD SPRECHEN

Über die Verwendung des Taschengeldes sollte das Kind in jedem Fall selbst entscheiden können. In den ersten Monaten, in denen das Kind Taschengeld bekommt, können Eltern ihre Hilfe anbieten und mit ihrem Nachwuchs über den Wert des Geldes sprechen. „Es heißt zwar immer ‚über Geld spricht man nicht‘, aber es ist ganz wesentlich, dass Kinder ein Verständnis dafür bekommen, wieviel einzelne Dinge kosten. Was kostet zum Beispiel die Miete für die Wohnung? Ein sechsjähriges Kind kann zwar noch nicht verstehen, was für ein gewaltiger Betrag die Miete von tausend Euro ist, aber die Begrifflichkeiten sollten schon einmal da sein. Ich halte es für wichtig, dass die Kinder mitbekommen, welche Ausgaben eine Familie monatlich hat und dass man nicht umsonst wohnt oder das Telefonieren kostenlos ist“, rät Nina von Gayl.

Eltern müssen die Vereinbarung über das Taschengeld als etwas Verbindliches ansehen und es regelmäßig auszahlen. Das Kind ist in diesem Fall kein Bittsteller, der dem Geld hinterherlaufen muss, sondern es soll sich auf die pünktliche Auszahlung verlassen können. Eltern sollten nicht vergessen, dass sie im verlässlichen Umgang mit Geld Vorbilder sind. „Wir alle möchten unsere Kinder behüten und beschützen, viele Eltern wollen ihren Kindern daher auch alle Last abnehmen. Wenn es um Geld geht, gilt aber die Regel: Es ist nie zu früh mit der finanziellen Ausbildung der Kinder zu beginnen. Genau wie sie lesen und schreiben lernen, sollten Kinder auch wissen, wie man mit Geld umgeht. Finanzielle Bildung sollte fixer Bestandteil der Erziehung sein“, meint Münze-Österreich-Generaldirektor Gerhard Starsich.

WOFÜR WIRD DAS TASCHENGELD AUSGEGEBEN?

Die Münze Österreich hat gemeinsam mit der Universität Wien (Institut für angewandte Psychologie) in der empirischen Studie „Taschengeld und finanzielle Bildung“ unter Kindern der fünften und der achten Schulstufe erhoben, wofür das Taschengeld ausgegeben wird. Die wichtigsten Ausgaben waren:

  • Essen: 53,9 Prozent
  • Aktivitäten mit Freunden (z. B. Kino): 48,7 Prozent
  • Süßigkeiten: 46,2 Prozent
  • Kleidung: 42,9 Prozent
  • Geschenke und Mitbringsel: 38,4 Prozent

Das Taschengeld wird außerdem für Körperpflegeprodukte, Videospiele und technische Geräte, Zeitschriften, Dekoartikel fürs eigene Zimmer und Haustiere ausgegeben.

JUGENDKONTO EINRICHTEN

Ab einem Alter von ungefähr 14 Jahren kann man auch daran denken, das Taschengeld auf ein Jugendkonto zu überweisen. Von Gayl: „Da wir uns ja in Richtung einer bargeldlosen Gesellschaft bewegen, ist der Umgang mit Konto und Karte eine gute Übung. Doch man sollte bedenken: Bargeldlose Zahlungen funktionieren ganz anders als Barzahlungen – auch vom psychologischen Aspekt, wie Studien belegen. Denn Barzahlung spricht das Schmerzzentrum im Gehirn an. Wenn ich etwas bar bezahle, tut es mir ein bisschen weh. Mit Kartenzahlung oder insgesamt bargeldlos ist dieser Effekt viel geringer. Man gibt bei der bargeldlosen Zahlung sehr viel leichter sehr viel mehr Geld aus.“ Eltern sollten daher individuell entscheiden, ob ihr Kind reif genug für diesen Schritt ist.

KEINE SCHULDEN MACHEN

Damit Kinder den Überblick über ihre Ausgaben nicht verlieren, rät von Gayl dazu, ein Taschengeldbuch zu führen. „Wenn es häufiger passiert, dass das ganze Taschengeld ausgegeben wird, sollte man sich mit dem Kind hinsetzen und schauen, wofür das Geld ausgegeben wird. Einfach einen Haushaltsplan erstellen: Was nehme ich ein, was gebe ich aus“, erklärt die Expertin. Sie rät davon ab, dem Wunsch nach einem Vorschuss auf das nächste Taschengeld nachzugeben. „Das ist im Prinzip ähnlich einer Kontoüberziehung. Das Kind lebt dann eigentlich immer im Minus. Wenn das Geld schon für etwas anderes ausgegeben wurde, ist es weg. Das müssen Kinder auch lernen.“ Christiane Spiel, die mit ihrem Team die Studie „Taschengeld und finanzielle Bildung“ erstellt hat, hebt die Bedeutung von finanzieller Bildung vor dem Hintergrund der Verschuldung junger Österreicher und Österreicherinnen ebenfalls hervor: „Mit Blick auf die Verschuldungen von Jugendlichen ist besonders interessant, dass sich 74 Prozent der von uns befragten Schülerinnen und Schüler schon einmal Geld ausgeborgt haben. Und dieses Geld wird nicht immer zurückgezahlt. Den Eltern zahlen es nur 47 Prozent immer zurück, bei Freunden sind es 61 Prozent.“


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ES IST UNSER ANLIEGEN, DASS DIE MENSCHEN SO GUT WIE MÖGLICH FINANZIELL GEBILDET SIND, NUR DANN KANN MAN DIE FINANZIELLE GESUNDHEIT, VON DER IMMER DIE REDE IST, AUCH WIRKLICH ERHALTEN.“

Nina von Gayl,
Kuratorin des Erste Financial Life Parks (FLiP)

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MOBILE GELDERZIEHUNG MIT FLiP-BUS

Da die finanzielle Bildung in Schulen oft zu kurz kommt, wurde der Erste Financial Life Park (FLiP) eingerichtet. Hier können SchülerInnen in spielerischer Form ihr Finanzwissen erweitern und auch lernen, wie man mit einem monatlichen Budget umgeht. Da es aber nicht allen österreichischen SchülerInnen möglich ist, nach Wien zu kommen, hat der FLiP eine mobile Erweiterung auf Rädern bekommen. Der „FLiP2Go“-Bus kommt an Wochentagen vor Schulen und auf öffentlichen Plätzen in allen Bundesländern zum Einsatz. „Es ist unser Anliegen, dass die Menschen so gut wie möglich finanziell gebildet sind, nur dann kann man die finanzielle Gesundheit, von der immer die Rede ist, auch wirklich erhalten. Deshalb ist es uns wichtig, auch in die entlegendsten Regionen zu kommen, und mit dem FLiP2Go-Bus ist das möglich“, freut sich die Kuratorin.

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Was zählt, sind die Menschen