Sparkassen Zeitung

Economy

Innovationen brauchen Freiraum

Stephan Scoppetta

DIE ERSTE BANK ZEIGT MIT GEORGE LABS, WIE MAN INNOVATIONEN WIE GEORGE IN EINEM KONZERN VORWÄRTSBRINGT UND KREATIVEN MITARBEITERINNEN UND MITARBEITERN IN EINER VERMEINTLICH KONSERVATIVEN BRANCHE EINEN PUSH GIBT.

George war der große Wurf. Das Internetbanking von Erste Bank und Sparkassen ist heute in Österreich das Maß aller Dinge und hat sich europaweit Anerkennung, Respekt und manch neidvolle Blicke, nicht nur in Deutschland, verdient. In Österreich nähert man sich den zwei Millionen NutzerInnen und mit Tschechien, der Slowakei und Rumänien sind es bald fünf Millionen. Ziel ist es, George künftig in allen sieben Ländern der Erste Group anzubieten. Eine unglaubliche Erfolgsgeschichte, und das in nur vier Jahren. Erfunden wurde die neue Banking-Plattform in der Erste-Group-Innovationsgarage George Labs.

RAUM FÜR EXPERIMENTE UND FEHLER

Stefan Häbich, einer der zwei Geschäftsführer von George Labs: „Damals wussten wir nicht, wohin das führen wird, aber wir haben gesehen, dass sich Banken dramatisch verändern werden, und wir brauchten Antworten, die wir bei den Vorreitern der ‚User Experience‘ in Übersee, wie Apple oder Slack, gefunden haben.“ Das war die Geburtsstunde von George Labs. Denn für Häbich war klar: Um eine Transformation in einem schwerfälligen Traditionsbankhaus zu schaffen, braucht es frische Kompetenzen von außen sowie Freiräume, die sowohl Unternehmertum und Mut als auch Fehler zulassen. „Unser Ziel war ein Ökosystem, das neue Ideen groß macht, sie honoriert und ihnen den nötigen exponenziellen Schub geben kann.“ Das Unternehmen musste zum Anziehungspunkt für Talente werden, die den Weg in eine vermeintlich verstaubte Bankenbranche so nicht gehen. Andreas Treichl, CEO der Erste Group, ließ sich von der Idee überzeugen und die Erste Group stellte für drei Jahre das notwendige Risikokapital zur Verfügung. Die Innovationswerkstatt BeeOne ging als Vorgänger von George Labs an den Start. Anfangs arbeiteten knapp 20 Leute als eigenständige Company an Prototypen von George. Es wurde hinterfragt, neue Ideen wurden getestet und alles Bisherige wurde auf den Prüfstand gestellt. In den ersten Jahren entwickelte das Team von George Labs eine Reihe von Apps wie „Hilfreich“, eine Möglichkeit, bei Zahlungen gleichzeitig zu spenden, oder „Fair-Split“, mit der man Zahlungen in einer Gruppe aufteilen kann. Knapp die Hälfte aller Ideen scheiterte. Aber man sammelte wertvolle Erfahrungen, die nach drei Jahren letztendlich im Launch von George im Jahr 2015 mündeten.

200 MITARBEITERINNEN UND MITARBEITER HEUTE

Am Anfang ging es bei den George Labs darum, im kleinen Team Änderungen voranzutreiben. Heute, im siebenten Jahr, haben sich die Umstände geändert: Rund 200 MitarbeiterInnen arbeiten bereits an George und 50 weitere werden gesucht. Häbich: „Auch im großen Team innovativ zu bleiben ist eine gewaltige Herausforderung. Dafür müssen wir bei uns selbst immer wieder aufs Neue Strukturen schaffen, die offen, von Feedback getrieben und veränderbar sind. Die und Nutzer Nutzerinnen von heute löschen halbgute oder lieblos entworfene Software schnell wieder vom Handy.“ Dabei geht George Labs die Arbeit nicht aus. Erst vor Kurzem wurde Apple Pay in George integriert und bis Mitte 2020 ist das Innovationsteam der Erste Bank mit neuen Projekten komplett ausgebucht. Häbich: „Wir müssen mit neuen Entwicklungen Schritt halten und diese für unsere Kundinnen und Kunden in gewohnter George-Manier zugänglich machen.“

George Labs

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