Sparkassen Zeitung

Economy

Junge Talente finden, fördern, halten

Herta Scheidinger

IM KAMPF UM DIE BESTEN FÜHRUNGS- UND FACHKRÄFTE WIRD ES IMMER WICHTIGER, SICH ALS ATTRAKTIVER ARBEITGEBER GEGENÜBER DEN EIGENEN MITARBEITERINNEN UND MITARBEITERN UND MÖGLICHEN BEWERBERINNEN UND BEWERBERN ZU POSITIONIEREN. EINE ATTRAKTIVE ARBEITGEBERMARKE ZU SEIN UND DEN ZUKÜNFTIGEN UND BEREITS IM UNTERNEHMEN BESCHÄFTIGTEN ENTWICKLUNGSMÖGLICHKEITEN UND BONI ZU BIETEN, IST UNERLÄSSLICH. 

Die demografische Entwicklung wird die Situation am heimischen Arbeitsmarkt verschärfen: Gemäß den Zahlen von Statistik Austria wird die Altersgruppe zwischen 15 und 59 Jahren bis zum Jahr 2028 rund 182.500 Personen verlieren. Damit wird sich der Marktwert qualifizierter BewerberInnen weiter erhöhen. Der Arbeitgebermarkt hat sich schon vor Längerem zum Arbeitnehmermarkt entwickelt.


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„LETZTLICH ZÄHLT HEUTE SEHR HÄUFIG DIE FRAGE, OB WIR GEMEINSAM EINEN SINNVOLLEN BEITRAG ZUR WEITERENTWICKLUNG LEISTEN KÖNNEN.“

Mike Bucher,
Geschäftsführer Wienerberger Österreich
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Was können Unternehmen nun tun, um das Arbeitsumfeld für MitarbeiterInnen modern und nachhaltig zu gestalten? Mike Bucher, Geschäftsführer der Wienerberger Österreich gibt Auskunft: „Wir bieten unseren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern sehr spannende Aufgaben. Eigenverantwortung wird bei Wienerberger groß geschrieben, und das schätzen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“ Dabei setzt Wienerberger auf flache Hierarchien und versucht kontinuierlich, das projektbezogene Arbeiten zu fördern. Wenn MitarbeiterInnen feststellen, dass die Führungskräfte Vertrauen in sie setzen und auch junge KollegInnen ihren Arbeitsbereich – nach Rahmenvorgaben – selbstständig gestalten können, steigt nicht nur die Motivation, sondern auch die Ergebnisse sind merklich besser. „In knapp einem halben Jahr übersiedeln wir in unser neues Büro ‚The Brick‘ am Wienerberg. Hier werden wir für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter modernste Arbeitsbereiche schaffen. Das wird ein weiterer positiver Faktor sein.“

PROGRAMME UND MÖGLICHKEITEN ZUR ENTWICKLUNG

Für Mayr-Melnhof arbeiten rund 10.000 MitarbeiterInnen in 21 Ländern, die Gruppe bietet ein talenteerkennendes, vielfältiges Arbeitsumfeld mit umfangreichen Entwicklungsmöglichkeiten. „Wir spüren ganz klar eine Fachkräfteknappheit. Wir tun sehr viel, um unsere guten MitarbeiterInnen zu halten und jungen Talenten einen attraktiven Einstieg in den Beruf anzubieten. Wir haben Programme für Lehrlinge, für junge AkademikerInnen und für ältere ArbeitnehmerInnen, die auch nach Pensionsantritt noch aktiv bleiben können. Wir haben ein breites Bouquet an Personalmaßnahmen“, so Andreas Blaschke, Vorstand von Mayr-Melnhof. Die vielfältigen Personalentwicklungsprogramme im Detail: Young Professionals: eine spezielle Förderung der Lehrlinge über die fundierte Lehre/Ausbildung hinaus. Explorer: ein Trainee-Programm für die zukünftigen ExpertInnen in Finance, Sales und Engineering. Ranger: das High-Potencial-Management-Programm für Spitzenkräfte von morgen. Methusalems: wertvoller Fachwissenstransfer durch die erfahrenste MM-Generation.

GELD IST NICHT DAS WICHTIGSTE

Standen noch vor einigen Jahren die Karriere und die Höhe des Gehalts im Mittelpunkt, so haben sich die Werte gewandelt. Junge Talente stellen heute ganz andere Ansprüche an Arbeitgeber und Job. Die Erfahrung zeigt, dass Bezahlung allein nicht reicht. Potenzielle BewerberInnen wünschen sich interessante Aufgaben, eine gute Work-Life-Balance, Familienfreundlichkeit, Weiterbildungsmöglichkeiten und ein positives Arbeitsklima. Motivierte MitarbeiterInnen sind für jedes Unternehmen ein Gewinn, und familienfreundliche Maßnahmen tragen erheblich zur Motivation bei. „Wir können einerseits mit der starken Marke Wienerberger, die seit 200 Jahren existiert, und den innovativen Produkten punkten, und andererseits bieten wir den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern tolle Entwicklungschancen: innerhalb der Wienerberger Österreich, aber auch in der Wienerberger AG und in den anderen Ländergesellschaften. Letztlich zählt heute sehr häufig die Frage, ob wir gemeinsam einen sinnvollen Beitrag leisten können. Und das können bei uns anscheinend sehr viele mit ‚Ja‘ beantworten“, so Mike Bucher.

BILDUNGSKOOPERATIONEN

Erste Bank und Sparkassen setzen noch viel früher an und haben Bildungskooperationen mit Unis und Fachhochschulen ins Leben gerufen. „Die Sparkasse Niederösterreich Mitte West ist seit 2008 Kooperationspartner der Fachhochschule St. Pölten. Die Zusammenarbeit gestaltet sich vielfältig und erfolgreich. Die Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner innerhalb der Fachhochschule sind sehr kompetent und das Teamwork funktioniert auch menschlich sehr angenehm“, so Peter Lafite, Leiter Marketing und Öffentlichkeitsarbeit der Sparkasse Niederösterreich Mitte West AG.

Im Juni 2018 wurde an der Alpen-Adria-Universit (AAU) Klagenfurt und der TU Graz gemeinsam eine neue Stiftungsprofessur Industrie 4.0 gegründet, die die Optimierung in der Produkt- und Produktionsplanung (Ressourcen-Effizienz) zum Ziel hat. Als größter privater Sponsor der Universität Klagenfurt fördert die Kärntner Sparkasse dieses neue Institut mit einer Forschungs-Förderung von 300.000 Euro. Ein Weg, den auch Kärntner Leitbetriebe mittragen. Gemeinsam mit der Kärntner Sparkasse fördern die Stiftungsprofessur Industrie 4.0 auch der KWF, Infineon, Kostwein Holding, Hirsch Armbänder, FunderMax und cms.

Ein weiteres Projekt der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, des Landesschulrates Kärnten und der Privatstiftung ist das Innovation Spirit und Entrepreneurship LAB (INSPIRE). Das Ziel des INSPIRE Labs ist die Schaffung einer „Spielwiese“ für kreatives Denken und Testen innovativer Ideen und Gründungsvorhaben. Die Fakultät für Wirtschaftswissenschaften an der Alpen-Adria-Universität bietet SchülerInnen Workshops zu den Themen Produktentwicklung und Rapid Prototyping, Case-Study-Kurse und Experimente zur Schulung der Problemlösungskompetenz, Planspiele zur Vermittlung von zentralen Gründungskompetenzen, Weiterbildungs- und Qualifizierungsworkshops für LehrerInnen „Train the Coaches“, Summer Schools für SchülerInnen sowie Projekte im Rahmen der Junior Companies an den AHS und BHS.


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„MIT UNSEREM TRAINEEPROGRAMM VERFOLGEN WIR DAS ZIEL, JUNGE TALENTE RECHTZEITIG INS UNTERNEHMEN ZU HOLEN.“

Walter Scherb,
Geschäftsführer S. Spitz GmbH

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Die Förderung des akademischen Nachwuchses zählt für die Tiroler Sparkasse seit jeher zu ihren gesellschaftlichen Aufgaben. „Als regional verankertes Geldinstitut mit über 197 Jahren Geschichte sehen wir uns in der Verantwortung, auch den Forschungsstandort Tirol zu fördern. Mit dem Graf Chotek Hochschulpreis sollen hoffnungsvolle junge Talente unterstützt werden“, bringt Hans Unterdorfer, Vorstandsvorsitzender der Tiroler Sparkasse, die Motivation hinter dem Preis auf den Punkt.

TRAINEESHIP

Die S. Spitz GmbH erzeugt an ihrem oberösterreichischen Firmenstandort Sirupe, Fruchtsäfte, Spirituosen, Backwaren, Konfitüren, Ketchup, Senf und Mayonnaise. Das Traditionsunternehmen setzt neben Ausbildungs- und Weiterbildungsprogrammen auch auf ein Traineeprogramm. Spitz-Geschäftsführer Walter Scherb: „Mit unserem Traineeprogramm verfolgen wir das Ziel, junge Talente rechtzeitig ins Unternehmen reinzuholen und so die Sicherung zukünftiger qualifizierter Ressourcen durch Rekrutierung und Entwicklung der Talente sicherzustellen. Unsere Trainees erhalten bei uns eine fundierte, breite Ausbildung.“ Die Trainees werden in allen Bereichen eingesetzt und arbeiten dort an Projekten mit abschließender Projekt-Präsentation. „So fördern wir die individuelle Entwicklung durch ein modular aufgebautes, individuelles Programm mit zeitlicher Flexibilität zwischen ein und eineinhalb Jahren. Es ermöglicht das Kennenlernen des Unternehmens, das Aneignen von Verständnis für Prozesse und Unternehmenszusammenhänge und bietet breite Einsatzmöglichkeiten nach Abschluss des Programms.“

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