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200 Jahre: Es tut sich was im Sparkassenland

Milan Frühbauer

DAS 200-JAHRE-JUBILÄUM DER SPARKASSENIDEE IN ÖSTERREICH IST DIE EINIGENDE KLAMMER: BEI EINZELNEN SPARKASSEN GIBT ES IN DIESEM JAHR DARÜBER HINAUS „RUNDE GEBURTSTAGE“ ZU FEIERN, BEHERRSCHT VON HISTORISCHEN REMINISZENZEN, EINER LEISTUNGSSCHAU DES ERREICHTEN SOWIE DEM ZUVERSICHTLICH VISIONÄREN BLICK IN DAS DRITTE JAHRHUNDERT. DIESER REICHT VON OFFENSIVER FINANZBILDUNG FÜR DIE JUNGEN BIS ZU EINER KLAREN BOTSCHAFT AN ALLE: THE FUTURE IS YOURS. NACH DEM MOTTO #GLAUBANDICH.

Hans Unterdorfer, Philip List und
Walter Hörtnagl begrüßten den FLiP2Go-Bus in Tirol.

Die erste Sparkasse Österreichs wurde bekanntlich 1819 gegründet. In der Folge kam es zu zahlreichen Sparkassengründungen, alle der einen Idee verpflichtet: Wohlstand für die Regionen und das Gemeinwohl für die Gesellschaft. Vor nunmehr 170 Jahren wurde etwa in Linz die „Allgemeine Sparkasse“ aus der Taufe gehoben. Ausgehend vom Solidaritätsgedanken machte sich Adolf Ludwig Graf Barth-Barthenheim, seines Zeichens k.k. Regierungsrat, für die Gründung einer Vereinssparkasse stark. Er konnte dafür zahlreiche Adelige, wohlhabende Bürger und Kleriker, wie etwa den Bischof von Linz sowie die Äbte der wichtigsten Stifte Oberösterreichs, begeistern. Schon nach einigen Jahren wurde die Schwerpunktsetzung erkennbar: Die Sparkasse ermöglichte die Gründung einer Armenversorgungsanstalt, den Bau einer Volksküche sowie die Errichtung von Sozialwohnungen in Linz. Auch die Linzer Eisenbrücke, Vorläuferin der heutigen Nibelungenbrücke, wurde von der Sparkasse anno 1872 mitfinanziert. Dieser bedeutenden Anfänge wurde jüngst bei den Feiern zum 170-jährigen Bestand gedacht.

Die Sparkasse Oberösterreich versteht sich seither als Motor und Innovator in der oberösterreichischen Bankenlandschaft: „Wir starteten 1956 mit dem Sparefroh das große Schulsparen, wir gründeten den ersten Investmentklub und stellten 1983 den ersten Bankomaten in Linz auf “, betonte Generaldirektor Michael Rockenschaub bei den Jubiläumsfeiern. Diese wurden von der Präsentation der Ausstellung zu 200 Jahre Sparkassen, der Präsenz des Bildungsbusses „FLiP2Go“, der gegenwärtig durch Österreich tourt, sowie der Herausgabe einer Festschrift begleitet. Das beachtliche mediale Echo zeigt übrigens die starke Verankerung der Sparkasse Oberösterreich in diesem ökonomisch so dynamischen Bundesland.

Gefeiert wurde unter anderem auch „unter der Enns“. Denn es geht nicht nur um 200 Jahre Sparkassen, sondern in dieses Jahr fällt auch der 120-jährige Bestand des Landesverbandes der Niederösterreichischen Sparkassen. Ein Festakt im NÖ Landhaus bildete den Rahmen, um an die Geschichte und Bedeutung regionaler Sparkassen im größten Bundesland Österreichs zu erinnern. Zur Feier kamen viele Ehrengäste nach St. Pölten, wie Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, der Bürgermeister der Landeshauptstadt, Matthias Stadler, Landtagspräsident Karl Wilfing und Landesfeuerwehrkommandant Dietmar Fahrafellner, der eine sehr wichtige Funktion des freiwilligen Einsatzes Engagierter für die Gesamtgesellschaft repräsentiert. Der Obmann des Landesverbandes, Franz Pruckner, erinnerte an den wichtigsten Auftrag der Sparkassen, neben ihrer Funktion als regionale Anbieter von Finanzdienstleistungen. Dieser zentrale Auftrag sei es, den Wohlstand auch für Arme zu ermöglichen.

Die Gemeinwohl-Idee kam wahrlich nicht zu kurz: Der Landesfeuerwehrkommandant erhielt Mittel zur Gründung der Kinderfeuerwehr im NÖ Feuerwehrlandesverband und die Geschäftsführerin der Kunstmeile Krems freute sich über die Eintrittszahlungen für SchülerInnen, die im Klassenverbund die Museen besuchen, für die kommenden drei Jahre. Übrigens: Die Niederösterreichischen Sparkassen haben in den vergangenen zehn Jahren mehr als 35 Millionen Euro für Gemeinwohlaktivitäten in NÖ zur Verfügung gestellt.

Der 200-jährigen Geschichte der Sparkassenidee in Österreich widmete sich auch ein Fest der Sparkasse Amstetten. Diese begann ihre Tätigkeit am 3. Juli 1874 und ist mittlerweile ein entscheidender Finanzdienstleister in dieser dynamischen Industriestadt. Sie nützte das Jubiläumsjahr für eine bemerkenswerte Präsentation und für umfassende Kommunikation. Nicht weniger als 600 Gäste waren der Einladung an KundInnen, PartnerInnen und MitarbeiterInnen in die Johann-Pölz-Halle gefolgt und begaben sich in Talk-Runden auf Zeitreise durch die Sparkassen–Geschichte. Auch der CEO der Erste Group, Andreas Treichl, nahm an dieser Veranstaltung mit maximaler regionaler Aufmerksamkeit teil. Die bekannten „Comedy Hirten“ rundeten das Programm kabarettistisch ab.

Die Ausstellung, die aus Anlass „200 Jahre – The Future Is Yours“ vom Österreichischen Sparkassenverband zusammengestellt worden war, absolvierte bereits viele Stationen. Nach dem Start am Campus in Wien war sie mittlerweile auch in Wiener Neustadt, Horn, Linz, Wels, Salzburg, Pöllau, Neunkirchen, Krems und St. Pölten zu Gast. Sie wendet sich vor allem an jene, die Interesse an der historischen Entwicklung der Sparkassengruppe und ihre unverzichtbare Einbettung in Finanzwirtschaft und Gemeinwohlaktivitäten des Landes haben. Geschichtliche Meilensteine und aktuelle Innovationen sollen damit gemeinsam beleuchtet werden.

Auch das spielerische Lernen im Zuge der Aktivitäten für eine bessere Financial Literacy der jungen Menschen kommt heuer nicht zu kurz. Im Gegenteil: Der spektakuläre Doppeldeckerbus „FLiP2Go“ tourt durch Österreich. An Wochentagen steht er den Schulen zur Verfügung, am Wochenende öffnet er seine Türen auf belebten Plätzen. In Salzburg, Oberösterreich, Niederösterreich, Wien, der Steiermark und Tirol hatten heuer bereits rund 2.000 Kinder von 10 bis 14 Jahren sowie Jugendliche zwischen 15 und 17 Gelegenheit in spielerischer Form Finanzwissen neu zu „tanken“ und vorhandene Kenntnisse zu vertiefen. „Die Auseinandersetzung mit dem Thema Finanzen ist eine extrem gute Investition in die Zukunft. Wer das macht, hat schon gewonnen“, betonte Helge Haslinger, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Niederösterreich Mitte West.


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„Die Zukunft unserer Kundinnen und Kunden steht im Fokus unseres historischen Jubiläumsjahres.“

Interview mit Franz Portisch,
Generalsekretär des Österreichischen Sparkassenverbandes
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Herr Portisch, wie sehen Sie das 200-Jahr-Jubiläum aus Sicht der Sparkassen?

Franz Portisch: Auch wenn jede Sparkasse ein anderes „Geburtsdatum“ aufweist, so ist das heurige Jubiläum dennoch ein gemeinsames für die gesamte Sparkassengruppe: Die erste österreichische Sparkasse wurde gegründet und ihr Gründungsauftrag von 1819 hat jede nachfolgende Sparkasse bis heute geprägt. Das Ziel lautet, Wohlstand für die Menschen in den Regionen zu bringen und die Zivilgesellschaft und das Gemeinwohl stets im Auge zu behalten. Für die heimischen Sparkassen steht immer der Mensch im Mittelpunkt, gleichgültig wann oder wo eine Sparkasse in unserem Land gegründet wurde. Dementsprechend feiern und bedanken wir uns auch bei allen unseren Kundinnen und Kunden, die uns diese 200-jährige Erfolgsgeschichte ermöglicht haben.

Was waren die bisherigen Highlights des historischen Jahres? Wie begleitet der Sparkassenverband Erste Bank und Sparkassen dabei?

Portisch: Den Auftakt machte der Sparkassentag, der ganz im Zeichen von „200 Jahre“ stand. Vom Start der Jubiläums-Kampagne rund um Marie Schwarz, der ersten Sparkassen-Kundin, bis hin zu hochrangigen Gästen aus Wirtschaft und Politik sowie internationalen Keynote-Speakern wie Richard David Precht konnte das Jahr gebührend eingeläutet werden. Kurz darauf startete unsere „Finanzbildung auf Rädern“-Tour, bei welcher der „FLiP2Go“-Bildungsbus zu den Besucherinnen und Besuchern in ganz Österreich kommt. An Wochentagen macht der moderne Doppeldeckerbus vor Schulen und auf öffentlichen Plätzen Station, an Wochenenden bei verschiedensten Veranstaltungen. Ergänzend hat der Verband auch eine Wanderausstellung, ganz unter dem Motto #TheFutureIsYours, auf die Reise geschickt. Ausgehend vom Erste Campus in Wien besuchte sie bereits Sparkassen in Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg und der Steiermark und befindet sich derzeit in Tirol. Bei der Konzeption war es uns wichtig, dass ausgehend von der Vergangenheit auch immer die Zukunft im Fokus steht, in die wir unsere Kundinnen und Kunden persönlich und top-innovativ begleiten.

 

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Was zählt, sind die Menschen