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Bildungsreisen, die beliebten Klassiker

Helene Tuma

IMMER HÄUFIGER WIRD DIE URLAUBSZEIT NICHT AM STRAND ODER HOTEL-POOL VERBRACHT, SONDERN DAZU GENUTZT, DURCH BILDUNGS- UND STUDIENREISEN DEN EIGENEN HORIZONT ZU ERWEITERN, SPRACHKENNTNISSE AUFZUFRISCHEN, IN DIE LOKALE KULTUR UND DIE GESCHICHTE EINES LANDES EINZUTAUCHEN UND DIE BEVÖLKERUNG KENNENZULERNEN – UND DAS NICHT NUR VON JUNGEN LEUTEN UND STUDIERENDEN. DIE VIELFALT DER DESTINATIONEN UND DIE ANGENEHMEN REISEBEDINGUNGEN MACHEN BILDUNGSREISEN FÜR JEDE ALTERSGRUPPE ATTRAKTIV.

Die Geschichte der Bildungsreisen reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück. Schon damals machten sich junge Adelige bevorzugt in Richtung Südeuropa auf, um die Stätten der Antike in Griechenland und Italien zu besuchen und für das spätere Leben nützliche Kontakte zu knüpfen. Die „Grand Tour“ oder „Kavalierstour“ war ursprünglich als Zeichen für den Abschluss der adeligen Erziehung gedacht und dauerte mitunter mehrere Jahre. Besonders beim englischen Adel erfreute es sich großer Beliebtheit, den Kontinent zu bereisen. Da es bald allgemein Mode wurde, schickten auch immer mehr kontinental-europäische Adelsfamilien ihren Nachwuchs auf die „Grand Tour“. Im 18. Jahrhundert erweiterte sich der gesellschaftliche Kreis und auch das wohlhabende Bürgertum und Gelehrte traten Bildungsreisen an. Stationen, die besucht werden mussten, waren Paris, Florenz, Venedig, Rom und Neapel.

Die wohl bekannteste „Grand Tour“ begann im September 1786, als sich Johann Wolfgang von Goethe nach zehn Jahren als Staatsbeamter am Weimarer Hof aufmachte, um in Italien die Antike neu zu entdecken, Kunst zu studieren und zu malen. In dieser Zeit besuchte er nicht nur die antiken Baudenkmäler, sondern setzte sich auch mit dem Alltagsleben in Italien auseinander. Um sich die Reise und vor allem die Nachtruhe angenehmer zu gestalten, reiste Goethe unter anderem mit einem eigenen Bett und gut gefüllter Reiseapotheke. Eine damals durchaus übliche Praxis, da die hygienischen Zustände in den Unterkünften oft verheerend und die Betten mit Wanzen und Läusen verseucht waren, die Krankheiten übertrugen. Seine Eindrücke beschrieb Goethe in seiner „Italienischen Reise“.

INTERESSANTE ZIELE

In der heutigen Zeit sind Bildungs- und Studienreisen natürlich nicht mehr Adeligen und wohlhabenden Gelehrten vorbehalten. „Das steigende Bildungsniveau in allen Altersgruppen sowie das ungebrochene Interesse daran, einen Einblick in fremde Kulturen zu bekommen und die Geschichte ferner Länder oder unserer europäischen Nachbarn kennenzulernen, tragen wesentlich dazu bei, dass die Marktanteile von Kultur- und Studienreisen in den letzten Jahren gestiegen sind“, erklärt Andrea Hansal von der Verkehrsbüro Group. Zwar haben sich der Komfort und die Dauer der Reisen drastisch verändert, die Ziele der Bildungsreisen sind jedoch oft dieselben wie vor 350 Jahren. „Klassiker wie Frankreich, Italien und Spanien erfreuen sich bei unseren Kultur- und Studienreisen ungebrochener Beliebtheit“, so Hansal. Die süditalienische Höhlenstadt Matera, die als älteste Stadt der Welt gilt, ist 2019 europäische Kulturhauptstadt und damit ein interessantes Ziel bei Bildungs- und Studienreisen.

NEUER TREND OSTEUROPA

In den letzten Jahren zeichnet sich jedoch auch ein Trend zu Reisezielen in Südost- und Osteuropa ab. „Reiseziele ‚off the beaten track‘, wie Montenegro, der Kulturraum Galizien und Russland, vor allem zu den ‚Weißen Nächten‘, sind sehr gefragt“, berichtet Hansal. Das touristisch eher unbekannte Moldawien ist aufgrund seiner ethnischen und religiösen Vielfalt, des reichen Erbes der orthodoxen Klöster und der lebendigen Volkskultur ebenfalls eine attraktive Destination für Studienreisende.

Durch die Möglichkeit, mit dem Flugzeug in wenigen Stunden zu Zielen zu gelangen, für die man zu Zeiten der „Grand Tour“ noch eine Reise von mehreren Wochen oder Monaten in Kauf nehmen musste, sind auch Länder außerhalb Europas für Bildungsreisen interessant und vor allem bei jungen Bildungsreisenden beliebt. Besonders Aufenthalte in China, Japan, den USA, Südkorea und Kuba werden vom jüngeren Publikum bis 25 Jahre gerne gebucht. Bei älteren Studienreisenden kommen Ägypten, Israel, Marokko und Jordanien dazu.

BERUFLICHE WEITERBILDUNG

Ein weiterer Aspekt bei Bildungs- und Studienreisen ist die Möglichkeit zur beruflichen Weiterbildung im Ausland. So kann man beim Besuch einer Sprachschule in Barcelona oder Paris nicht nur die Landessprache lernen, sondern auch in die Kultur und die Atmosphäre der Stadt eintauchen. Und auch bei einem Kurs zur Verbesserung der Englischkenntnisse, etwa auf Hawaii, lässt sich das Praktische mit dem Angenehmen bestens verbinden. Von VeranstalterInnen werden auch Kurse mit branchenspezifischem Vokabular und eigene Kurse für Führungskräfte angeboten. Da durch diese Art der Weiterbildung die Karrierechancen verbessert werden, werden Studienreisen oft im Zuge einer Bildungskarenz angetreten. So muss während dieser Zeit das Arbeitsverhältnis nicht aufgelöst werden und nach der Bildungsmaßnahme kann man in den Betrieb zurückkehren. Da die Arbeitnehmerin oder der Arbeitnehmer während der Bildungskarenz keinen Lohn von Arbeitgeberin oder Arbeitgeber, sondern Weiterbildungsgeld vom AMS bekommt, muss vorab allerdings geklärt werden, welche Weiterbildungsmaßnahme als beruflich relevant eingestuft wird.

 

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