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Economy

Newskonsum: Vertrauen hinkt Interesse hinteher

Ausgabe #4/2019 • Wert & Papiere
Markus Nepf

JUGEND MISSTRAUT SMARTPHONE-NEWS

Die gute Nachricht zuerst: Das Interesse der Österreicher- Innen an Nachrichten ist ungebremst hoch und liegt im internationalen Vergleich sehr gut. Der Wermutstropfen: Unsere Jugendlichen haben etwas von ihrem Interesse an Nachrichten verloren und ihr Vertrauen in News ist das zweite Jahr in Folge gesunken. Dies zeigen die Ergebnisse des aktuellen Digital News Report des Reuters Institute

Innerhalb der EU ist Österreich ein Land mit überdurchschnittlich hoher Präsenz der klassischen Medien. Diesen wird auch nach wie vor am meisten vertraut und gute Qualität bescheinigt – auch von unserer Jugend. Laut market-Studie des Landes OÖ über jugendliches Medienverhalten, deren Daten auch als Richtwerte für ganz Österreich herangezogen werden, misstrauen die Jungen ihrer eigenen Hauptinformationsquelle am meisten: dem Smartphone. Während 61 Prozent der Jugendlichen zwischen 11 und 18 Jahren hier am meisten News konsumieren, halten diese nur rund 20 Prozent für glaubwürdig. Hingegen finden fast 50 Prozent die klassischen Kaufzeitungen am vertrauenswürdigsten. Diese konsumieren sie allerdings nur zu 34 Prozent. Mit anderen Worten: Online wird zwar am meisten gelesen, aber auch am meisten misstraut.

NEUE NACHRICHTEN-PORTALE FOKUSSIEREN AUF SPEZIELLE ZIELGRUPPEN

Dass Online-Nachrichten vielfach automatisch und ungeprüft verbreitet werden, kommt selbst bei sogenannten „Qualitäts“- Medien immer wieder vor. Von der Social-Media-Praxis ganz zu schweigen. Neue Online-„Nachrichten“-Portale wie etwa das frischgebackene ZackZack.at tragen ebenfalls nicht gerade zur Vertrauensbildung bei. Politische (Partei-)Portale treten gern wie objektive, faktenbasierte Medien auf, sind aber eindeutig parteipolitisch zuordenbar und damit alles andere als ausgewogen. ZackZack ist ein Gegenprojekt zu FPÖ-Seiten und will „alles aufdecken, nichts verstecken und bei den Richtigen anecken“, beschrieb Herausgeber Peter Pilz das neue JETZT-Projekt. Direkt auf die junge Zielgruppe der Millennials zugeschnitten präsentiert sich das unabhängige Nachrichtenportal k.at. Der Kurier setzt dabei auf Lifestyle, News und Infotainment sowie auf Mobile-Optimierung. Das klingt schon vielversprechender, überfordert die Jugendlichen nicht und hebt möglicherweise das Interesse an Nachrichten step by step. Komplettiert wird das Nachrichten-Erlebnis durch eine intensive Social-Media-Anbindung, das Portal punktet damit weiter bei seiner Zielgruppe.

BEI MEDIENKOMPETENZ NOCH LUFT NACH OBEN

Qualitätsgarantie hat auch das öffentlich-rechtliche Fernsehen nicht, wenn es auch gegenüber Privatsendern zumindest in puncto Bildungsauftrag überlegen sein sollte. Aufgrund der neuerlich entfachten Diskussion über die Rundfunk-Gebühren plant nun auch der ORF einen Schritt näher an seine SeherInnen heranzukommen. „Stärkere Interaktion und Dialog mit dem Publikum“, so das selbst formulierte Ziel. Dafür wird das Campaigning Bureau von keinem Geringeren als „Kanzlermacher“ Philipp Maderthaner, der unter anderem Sebastian Kurz‘ Wahlkampf erfolgreich bestritten hat, herangezogen. Hoffen wir, dass die letztlich von uns allen bezahlte Kampagne nicht nur die Kommunikation und Eigenwerbung unseres Medienriesen verstärkt, sondern auch zu einer Objektivierung und Verbesserung von unabhängigen Nachrichten beiträgt. Um Fake News und verschleierte ideologische (Halb-)Lügen von der Wirklichkeit unterscheiden zu lernen, ist vor allem Medienkompetenz gefragt. Bei der Medienbildung in den Schulen gibt es allerdings – ähnlich wie bei der Finanzbildung – zumeist leider noch deutlich Luft nach oben.

Markus Nepf leitet die Stabsstelle Kommunikation des Österreichischen Sparkassenverbandes.

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