Sparkassen Zeitung

5 Fragen an

5 Fragen an Kurt Mittringer

Ausgabe #5/2019 • Leistbares Wohnen
Sandra Wobrazek

KURT MITTRINGER, LEITER DES REFERATES STADT- UND REGIONAL-ENTWICKLUNG IN DER MA 18 – STADTENTWICKLUNG UND STADTPLANUNG, ÜBER DIE ZUKUNFT DER STÄDTEPLANUNG UND SEINEN PERSÖNLICHEN WOHNTRAUM.

1. VOR WELCHEN CHANCEN STEHT DIE STADTPLANUNG DER ZUKUNFT?  Bald leben zwei Drittel der Bevölkerung in Städten: Die größten Herausforderungen, aber auch die entsprechenden Lösungen werden in den Städten und Ballungsräumen sichtbar; das ergibt Chancen für die notwendige CO2-Reduktion und Klimawandel-Anpassung in allen Lebensbereichen.

2. WIE WIRD SICH DAS WOHNEN IM URBANEN RAUM VERÄNDERN? Dichtere Bebauungsformen ermöglichen effizientere Infrastruktur-Erschließung und finanzierbare sowie leistbare öffentliche Verkehrsmittel. Ein Auto und lange  Anreisewege für Einkaufen und Dienstleistungen (Banken, Friseur …) sind in großen Städten nicht mehr notwendig – auch durch die höhere Dichte von Ausbildungseinrichtungen, Waren, Dienstleistungs-, Kultur- und Freizeitangeboten. Qualitativ vielseitig nutzbare Frei- und Grünräume sind großteils zu Fuß – und damit für alle Bewohnerinnen und Bewohner – erreichbar.

3. WELCHE ROLLE SPIELT DER FINANZIELLE ASPEKT BEI STADTENTWICKLUNG UND RAUMPLANUNG? Alle Projekte der Stadt – Wohnungsbau, öffentlicher Verkehr, Radwege, Brücken, Parkanlagen, Schulen, Krankenhäuser und so weiter – müssen finanziert werden. Große Ideen und Entwürfe, Stadtumbauten und Stadtgestaltungen, aber auch städtebaulich notwendige Lösungen sind oft nicht finanzierbar. Unter welcher Beteiligung privater Finanzmittel auch immer, Tatsache ist: Die Ermöglichung, die Realisierungsgeschwindigkeit und die Qualität der Ausführung von Projekten ist davon abhängig. Eine Herausforderung bei allen Projekten mit hohem Qualitätsanspruch ist dabei immer mehr der Aspekt der Leistbarkeit für möglichst alle Bewohnerinnen und Bewohner.

4. WAS MACHT WIEN ZUR SMART CITY? Smart City bedeutet, dass man clevere Lösungen für die Stadt der Zukunft schafft, und Wien liegt im internationalen Vergleich vorne. Wir betrachten die Stadt, von der Altstadt bis hin zu Neubaugebieten, als Gesamtpaket. Deshalb verfolgen wir den Ansatz, dass wir nicht nur technische und ökologische Lösungen, sondern auch sozialorientierte suchen. Genau das unterscheidet Wien von anderen Städten. Denn der öffentliche Raum wird immer wichtiger, und es geht nicht nur darum, dass der Aufenthalt dort schön, sondern auch, dass er praktisch ist – etwa indem man in den immer heißer werdenden Sommern Kaltluftschneisen und Kälteinseln schafft.

5. WIE SIEHT IHR PERSÖNLICHER WOHNTRAUM AUS? Ich lebe ihn bereits: an der U-Bahn-Station am Erholungsraum Alte Donau, mit Wasser, Sport, Grün- und Spielflächen in unmittelbarer Umgebung sowie in dichter Wohnbebauung mit Blick aufs Gänsehäufel und Kindergarten, Schule und Nahversorgung ums Eck.

INFO: Kurt Mittringer hat an der TU Wien studiert. Heute ist er Leiter des Stadt- und Regionalplanungsreferats der MA 18. Die Aufgabe der MA 18: übergeordnete, räumlich-strategische Planungen und Konzepte in den Bereichen Raumplanung  und Mobilität zu erstellen, um die Grundlagen für wesentliche stadtentwicklungspolitische Entscheidungen zu schaffen.
www.stadtentwicklung.wien.at

 

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