Sparkassen Zeitung

Werte

"Es geht um soziale Verantwortung"

Ausgabe #6/2019 • Soziale Verantwortung
Stephan Scoppetta

GERHARD FABISCH, PRÄSIDENT DES ÖSTERREICHISCHEN SPARKASSENVERBANDES, SPRICHT IM INTERVIEW ÜBER GEMEINWOHL UND GESELLSCHAFTLICHE LÜCKEN.

Schon seit 200 Jahren engagieren sich die österreichischen Sparkassen in unterschiedlichen Projekten für das Gemeinwohl. Gerhard Fabisch, Präsident des Österreichischen Sparkassenverbandes, spricht über die gesellschaftliche Verantwortung einer Bankengruppe und erklärt, warum soziales Engagement in 200 Jahren nicht aus der Mode kommt.

Derzeit wird in Ihrer Werbung besonderes Gewicht auf das Gemeinwohl gelegt. Ist für das Gemeinwohl heute eigentlich nicht der Staat zuständig?

Gerhard Fabisch: Der Staat ist auch zuständig, aber es ist wichtig, dass sich die Zivilgesellschaft ebenso mit dem Thema beschäftigt. Nicht alles wird vom Staat abgedeckt, und uns als Zivilgesellschaft sollte das Wohlergehen anderer Menschen ebenfalls ein Anliegen sein. Für uns Sparkassen ist es ein gesellschaftlicher Auftrag, den wir bereits seit 200 Jahren leben und der in der Unternehmensverfassung auch niedergeschrieben ist.

Was bringt es einer Bank, sich gesellschaftlich zu engagieren?

Fabisch: Wir wollen Menschen unterstützen, und das auf der einen Seite durch unser Bankgeschäft und auf der anderen Seite, indem wir auch einen gesellschaftlichen Beitrag leisten. Banken haben als Unternehmen einen großen Hebel, gesellschaftlich etwas zu bewegen. Wir haben uns um diese Verantwortung nie gedrückt und haben immer nach den Lücken in unserer Gesellschaft gesucht und diese durch unser Engagement ausgefüllt. Ein schönes Beispiel ist hier die auch international vielbeachtete „Zweite Sparkasse“. Dort unterstützen wir Menschen, die in finanzielle Schwierigkeiten geraten sind. Mit unserer Hilfe sollen die Betroffenen wieder ihr Geldleben in den Griff bekommen. Dafür bieten wir ihnen Girokonten, Versicherungen sowie persönliche Beratung und Betreuung gemeinsam mit Partnerorganisationen an.

Steht dahinter ein Geschäftsmodell?

Fabisch: Wohlergehen oder soziale Verantwortung sind für uns kein Geschäftsmodell, wo wir am Ende des Tages mit einem monetären Return rechnen. Es geht uns dabei um einen ehrlichen gesellschaftlichen Impact. Konnten wir einen positiven Beitrag leisten und gesellschaftlich etwas bewegen, dann ist das besser als jeder finanzielle Return.

Aber glauben Sie, dass soziale Verantwortung den Kundinnen und Kunden wichtig ist und sie das honorieren?

Fabisch: Natürlich spielen für die meisten Kundinnen und Kunden Kriterien wie Service, Preis und Leistungsfähigkeit eine zentrale Rolle, aber nicht nur. Den Kundinnen und Kunden ist auch wichtig, wie ein Unternehmen seine Verantwortung gegenüber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Kundinnen und Kunden und der Gesellschaft wahrnimmt. Unternehmen, die die Umwelt verschmutzen, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausbeuten oder sich nicht an Gesetze halten, werden nachhaltig keinen Erfolg haben. Wir haben bereits eine 200-jährige Geschichte, seit der Gründung war uns das Thema Nachhaltigkeit sehr wichtig und uns gibt es immer noch. Das zeigt, dass das Engagement für das Gemeinwohl ein Erfolgsmodell ist, das auch schwierige Zeiten wie Weltkriege, Währungs- und Finanzkrisen überdauern kann. Die Menschen haben ein angeborenes Gefühl für die Themen Anständigkeit, Verlässlichkeit, Vertrauen.

Trotzdem müssen Sie den Mitbewerb durch die neuen Internetbanken fürchten.

Fabisch: Wir beobachten solche Entwicklungen sehr genau und müssen uns auch wirtschaftlich fit halten. Gleichzeitig sehen wir, dass viele Internetbanken nun damit zu werben beginnen, dass sie telefonische Beratung anbieten. Einfache Geldgeschäfte wie ein Girokonto lassen sich vielleicht noch über eine coole Internetbank abwickeln, aber bei komplexen Immobilienkrediten oder Veranlagung großer Summen sieht die Sache anders aus. Das Bankgeschäft wirkt manchmal cooler, als es in Wirklichkeit ist. Es ist ein sehr persönliches Geschäft, wo es um Menschen, Vertrauen und Nachhaltigkeit geht.

Wie finden Sie die richtigen Projekte für Ihre Gemeinwohlaktivitäten?

Fabisch: Die Förderschwerpunkte sind immer von der jeweiligen Zeit geprägt. Im 19. Jahrhundert förderten die Sparkassen sehr viel Infrastruktur, wie Straßenbau, Kanalisierung, öffentliche Beleuchtung, Amtsgebäude, Schulen, Krankenhäuser oder Altersheime. Zu diesen Zeiten entstanden von Sparkassen gestiftete kulturelle Einrichtungen wie der Konzertsaal in Wiener Neustadt, das Opernhaus in Graz, das Städtische Museum in Salzburg oder das Stadttheater in Baden. Heute hat sich dieser Schwerpunkt etwas verschoben. Jährlich fließen über 20 Millionen Euro in die Unterstützung und Weiterentwicklung eines gemeinsamen Österreichs.

Welche Projekte sind herausragend?

Fabisch: Jedes Projekt ist spannend, aber gerne greife ich einige wenige exemplarisch heraus. Zum Beispiel setzen sich die Sparkassen bundesweit für den Dachverband Hospiz Österreich karitativ ein. Zudem richten wir die Sparkasse Schülerliga Fußball und Volleyball aus. Wir bringen in Kooperation mit der Wirtschaftskammer Österreich wirtschaftliches Wissen in die Klassenzimmer. Ein aktuelles Vorzeigeprojekt ist der Neubau der Dornbirner Stadtbücherei, die anlässlich des 150-Jahr-Jubiläums der Dornbirner Sparkasse mit 6,6 Millionen Euro vollständig finanziert worden ist.

Werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beim sozialen Engagement eingebunden?

Fabisch: Grundsätzlich ist uns bei der Auswahl der Projekte wichtig, dass sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit dem Projekt identifizieren und sich auch einbringen. Nur so ist gewährleistet, dass dieses Projekt mit Leben erfüllt wird. Nur einen Scheck zu geben, das ist uns zu wenig. Wenn wir zum Beispiel das SOS-Kinderdorf unterstützen, dann geben wir nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern es kümmern sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Gruppe regelmäßig auch um Familien und helfen mit. Bei „Die Zweite Sparkasse“ bringen sich sehr viele bereits pensionierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit ihrem Know-how ein. Aber es gibt unzählige kleinere Projekte in den Regionen, wo sich Sparkassen-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter persönlich engagieren.

Was sind aus Ihrer Sicht die großen Gemeinwohl- Herausforderungen der Zukunft?

Fabisch: Angesichts der aktuellen Zinssituation ist das Thema Vorsorge mit Sicherheit eine große Zukunftsherausforderung. Wir werden noch die nächsten Jahre niedrige Zinsen haben, und nun besteht die Gefahr, dass wir eine Generation von pensionsarmen Menschen heranzüchten, denn bei dieser Zinssituation hat eine Vermögensbildung via Sparbuch keine Chance. Nur wer langfristig in Wertpapiere investiert, kann auch ein Vermögen aufbauen, aber das braucht Know-how, und deshalb legen wir unseren Schwerpunkt verstärkt auf das Thema Finanzbildung.

 

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